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Wirtschaft

«Die Leute haben kein Geld für neue Autos»

Freitag, 13. Juli 2012, 17:19 Uhr, Aktualisiert 20:47 Uhr

Bei Opel muss der Chef gehen, Peugeot-Citroën will ein Werk schliessen und 8000 Stellen abbauen. Die Zeiten sind hart für Europas Autobauer. Wer nicht ausweichen kann, den trifft die Schuldenkrise mit voller Wucht.

Das Verdikt ist deutlich. «Bei Opel», sagt Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer im Gespräch mit der «Tagesschau», «hat man alle sechs Monate eine neue Idee. So etwas hält kein Unternehmen aus.»

Bild Unzählige Autos.
Ladenhüter Auto: In der Krise ist anderes wichtiger. keystone

Die Hüst-und-Hott-Strategie der GM-Tochter (in zwei Jahren haben sich 3 Vorstände die Klinke in die Hand gedrückt) mag ein Grund für die Krise bei Opel sein. Allerdings nicht der einzige. Zu schaffen macht Opel auch, dass das Unternehmen vornehmlich auf den europäischen Markt ausgerichtet ist.

Mit diesem Problem ist Opel nicht alleine. Seat, Renault oder Peugeot-Citroën geht es nicht besser. Ihnen allen macht zu schaffen, dass die europäischen Märkte in Folge der Schuldenkrise beinahe zusammengebrochen sind. «Spanien verkauft in diesem Jahr vielleicht 700‘000 Fahrzeuge», sagt Dudenhöffer. Zum Vergleich: «Im Jahr 2007 waren es noch 1,6 Millionen!»

Ferdinand Dudenhöffer. (sf)
«Die Menschen haben andere Probleme als einen Autokauf.»
Ferdinand Dudenhöffer, Automobilmarkt-Experte

Dass sich die Lage in absehbarer Zeit verbessert, glaubt Dudenhöffer, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, nicht. «Europa bleibt in den nächsten 4 bis 5 Jahren ein hartes Pflaster.» Es werde noch weitere Fabrikschliessungen geben. «In fünf Jahren werden wir die Automobilindustrie nicht mehr wiedererkennen. Viele mittelständische Zulieferer, gerade in Südeuropa, werden verschwinden.»

Ein Teil der europäischen Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise. (Tagesschau, 13.07.2012, 19.30)

«Schuldenkrise lösen – anders geht es nicht»

Die Gründe für die Krise liegen auf der Hand. In Zeiten der Schuldenkrise fehlt den Menschen das Geld, um ein neues Auto zu kaufen: «Nehmen Sie Griechenland. Dort kämpfen die Menschen ums Überleben. Die Wirtschaft liegt am Boden. Ähnliches in Spanien mit einer grassierenden Arbeitslosigkeit. Frankreich und Italien sind kaum besser. Die Menschen in diesen Ländern haben ganz andere Probleme, als ein neues Auto zu kaufen!»

Können mehr Innovationen die Branche anschieben? Dudenhöffer zweifelt: «Die Innovationen sind da.  Was fehlt, ist die Nachfrage. Die kann man nicht so einfach ersetzen. Zuerst muss die Schuldenkrise in Europa gelöst werden, dann erholt sich auch der Automarkt wieder.» Ein anderes Rezept gebe es nicht.

Gute Stimmung in den USA – noch

Sich glücklich schätzen kann, wer in dieser Situation nicht ausschliesslich auf den europäischen Markt angewiesen ist – Autobauer wie VW, Daimler oder BMW.

Auch Fiat profitiere momentan davon, dass Chrysler in den USA gut laufe, sagt Dudenhöffer. Doch er warnt: Davon abgesehen stehe Fiat genauso schlecht da wie Opel oder Peugeot-Citroën. «Ich denke, dass auch Fiat-Chef Sergio Marchionne nicht um Werkschliessungen herumkommen wird.»

Dass der Markt in den USA derzeit noch relativ gut laufe, dafür sieht Dudenhöffer den Grund in erster Linie im US-Wahlkampf. Obama müsse die Wirtschaft ankurbeln. Eine trügerische Situation, allerdings: « Wenn die Wahl vorbei ist, wird man sehen, dass es auch in den USA Sparanstrengungen braucht.»

Automobilmarkt-Zukunft liegt in China

Es sind nicht nur die USA, welche den schlechten europäischen Markt zumindest noch teilweise raushauen können. Besonders attraktiv ist derzeit China. Dieses Jahr werden dort rund 13 Millionen Fahrzeuge verkauft, fast so viel wie in den USA.

Für den Automobilexperten ist klar: Die Zukunft liegt in den asiatischen Märkten. Für manche auch schon die Gegenwart. «Ohne China», sagt Dudenhöffer, «würde auch VW ganz anders dastehen. Dort wird heute schon rund ein Drittel des Absatzes gemacht.»

(sf/schl;maiu)