US-Wahlkampf 2012
Romney verstrickt sich in Widersprüche
Es geht um Mitt Romneys Rolle bei seiner ehemaligen Investment-Firma Bain Capital. Hat er länger dort gearbeitet als er selbst angegeben hat? Hat er Massenentlassungen und Konkurse zu verantworten?
Mitt Romneys Version lautet: Er verliess 1999 seine 1984 gegründete Private-Equity-Firma Bain Capital und erhielt eine Abfindung. Mit späteren Entscheiden des Managements hatte er nichts mehr zu tun. Von 1999 war Romney voll und ganz mit der Planung der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City beschäftigt. Er hatte das Amt des Geschäftsführers des Organisationskomitees übernommen.
Doch es besteht Zweifel an der Richtigkeit. Der US-Zeitung «Boston Globe» liegen Dokumente der US-Finanzaufsicht Securites and Exchange Commission (SEC) vor, die anderes behaupten. In diesen wird der US-Präsidentschaftskandidat Romney bis 2002 als alleiniger Inhaber von Bain Capital genannt.
Alles eine Lüge
Erweisen sich die Mutmassungen als wahr, kann Romney nicht nur der Lüge bezichtigt werden. Er hat auch Konkurse von früher übernommen Firmen und Massenentlassungen zu verantworten. Bain Capital wird vorgeworfen, aus der Misere anderer Unternehmen Profit in Millionenhöhe zu schlagen.
Bain Capitals Vorgehen
Bain Capital ist ein Private-Equity-Unternehmen. Es sammelt Gelder von grossen Investoren und steckt dieses Geld in vielversprechende Unternehmen. Häufig handelt es sich dabei um junge Unternehmen, die mit den Investments an die Börse gebracht werden sollen.
Eine weitere Strategie von Private-Equity-Firmen ist es, heruntergewirtschaftete Firmen mit Entwicklungspotenzial aufzukaufen und zu sanieren. Dieser Prozess zieht oft Restrukturierungen nach sich. Läuft das Unternehmen, wird es wieder verkauft, was der Private-Equity-Firma beträchtliche Gewinne einbringt.
Bain Capital hat so unter anderem in Domino's Pizza oder Jack Wolfskin investiert.
Romneys Lager reagiert empört auf die Behauptungen. «Der Artikel [von ‹Boston Globe›, Anm.d.Red.] ist nicht korrekt.» Wie Bain Capital, Mitt Romney und unabhängige Überprüfer bereits mehrmals betont hätten, «hat Romney Bain Capital im Februar 1999 verlassen, um die Olympischen Spiele zu leiten». Seit diesem Zeitpunkt habe er keinerlei Einfluss in der Firma gehabt.
Für den US-Präsidenten Barack Obama steht fest, dass einer nicht die Wahrheit sagt. Sollte sich herausstellen, dass Romney der Finanzaufsicht falsche Angaben geliefert hat, dann «könnte es sich hierbei um ein Verbrechen handeln», sagt Obamas Wahlkampfmanagerin Stephanie Cutter und ergänzt: «Wenn er seine Position bei Bain dem amerikanischen Volk vorenthalten hat, um sich aus der Verantwortung zu ziehen, dann hat er das Volk angelogen.»
(reuters/mery;godc)



