Schweiz
Antibiotika-Resistenzen sollen bekämpft werden
Antibiotika für Kälber oder Schweine: Was der Bauer seinen Tieren verfüttert, wirkt sich auf den Menschen aus. Die Antibiotika-Resistenz nimmt zu. Immer häufiger wirken die Medikamente nicht. Nun wollen Bauern und Behörden handeln, wissen aber nicht wie.
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Schweizer Bauern setzen bis heute in grossem Stil Antibiotika ein. Am meisten in der Kälber- und Schweinemast. Damit entstehen immer mehr resistente Keime.
Das haben Forscher am Institut für Veterinärbakteriologie an der Universität Bern nachgewiesen. «Man weiss nun auch, welche Multiresistenzen vorkommen. Das heisst, Bakterien sind nicht nur gegen ein Antibiotika resistent, sondern gegen vier bis zehn gleichzeitig», sagt Institutsleiter Joachim Frey.
Die Tiere werden damit zum Reservoir für resistente Keime. Und mit diesen können auch Menschen angesteckt werden.
Antibiotika wirken nicht mehr
Das stellt Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern vor ein Problem. Denn viele Antibiotika wirken nicht mehr: «Wir stehen immer häufiger vor Situationen, in denen wir Patienten nicht optimal behandeln können. Und in denen auch Menschen sterben wegen einer Antibiotika-Resistenz», sagt Kathrin Mühlemann, Direktorin des Instituts für Infektionskrankheiten an der Universität Bern.
Grosser Imageverlust droht
In der Schweiz gab es einige dutzend solcher Todesfälle in den letzten Jahren. Nachdem das Schweizer Fernsehen im März breit über das Thema berichtet hat, sind sich Bauern und Tierärzte unterdessen bewusst, dass ein grosser Imageverlust droht, wenn der Einsatz von Antibiotika nicht abnimmt.
Zahlreiche Arbeitsgruppen suchten jetzt nach Lösungen, sagt Thomas Jäggi vom Bauernverband. Aber: «Es wird eine langfristige Aufgabe sein, den Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft so gering wie möglich zu halten.»
Noch keine Lösungen
Auch die Behörden haben den Ernst der Lage erkannt. Vier verschiedene Bundesämter und die Kantonstierärzte sind betroffen. Zurzeit wird aber erst darüber diskutiert, wer den Lead in dieser wichtigen Frage übernehmen soll.
Eva Reinhard vom Bundesamt für Landwirtschaft sagt: «Wir nehmen diese Thematik sehr ernst. Vielleicht haben wir sie zu wenig intensiv bearbeitet in den letzten Jahren. Aber die neuen Daten zeigen, dass hier ein Handlungsbedarf besteht.» Pfannenfertige Lösungen gebe es aber noch nicht.
Den Humanmedizinern geht das alles viel zu langsam, zumal die dänischen und schwedischen Bauern schon heute viermal weniger Antibiotika einsetzen als die Schweizer Bauern. Wenn man die Kälber länger bei den Kühen lässt und den Schweinen mehr Platz gibt, braucht es weniger Antibiotika.
Ohne Antibiotika wird Fleisch teurer
Aber diese Massnahmen kosten Geld: Schweizer Fleisch wird so noch teurer. Entsprechend zurückhaltend sind die Bauern. Und die Tierärzte verdienen mit bei der üppigen Abgabe von Antibiotika.
Zu viele wirtschaftliche Interessen stehen einer strikten Kontrolle der Antibiotika-Verfütterung entgegen. So wird das Resistenz-Problem in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter zunehmen.





