Inhalt

Schweiz

Ex-Anlagechef der BVK: «Ich wollte niemandem schaden»

Mittwoch, 11. Juli 2012, 8:57 Uhr, Aktualisiert 20:56 Uhr

Der frühere Anlagechef der Zürcher BVK hat vor Gericht zugegeben, dass er sich während seiner Amtszeit bestechen liess. Er habe, so formulierte es Daniel Gloor am ersten Prozesstag, «eine falsche Abzweigung genommen». Die Staatsanwaltschaft verlangt 6 Jahre Freiheitsstrafe für Gloor.

Bild

Warum er die Bestechungsgelder angenommen hatte, konnte Gloor nicht sagen. Er ist der Hauptangeklagte im BVK-Korruptionsprozess – einem der grössten, die es im Kanton Zürich je gegeben hat. «Ich habe im Leben einmal eine falsche Abzweigung genommen», sagte Gloor zum Schluss der Befragung am ersten Prozesstag. «Aber ich wollte niemandem schaden.» Er bedaure das – vor allem gegenüber der Familie. «Wenn Sie einmal Geld bekommen haben, können Sie nicht zurück», so Gloor. «Dann ist es passiert.» 

Zürich: Prozess gegen Gloor hat begonnen. (Tagesschau, 11.07.2012, 19.30)

Vorwürfe im Grundsatz zugegeben

Gloor wird in dem Verfahren vorgeworfen, zwischen 1995 und 2010 insgesamt 1,7 Millionen Franken in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Der Angeklagte räumte die Vorwürfe im Grundsatz ein, behauptet allerdings, die Beträge seien geringer gewesen. Warum Mitangeklagte angaben, höhere Beträge gezahlt zu haben, könne er sich nicht erklären.

Die Anklage wirft Gloor zudem vor, der BVK durch falsche Anlageentscheide einen Schaden von mehr als 40 Millionen Franken zugefügt haben. Konkret geht es um die Sanierung der Beteiligungsgesellschaft BT&T Asset Management AG. Nach einem vom damaligen SVP-Regierungsrat und Finanzdirektor Christian Huber abgesegneten Sanierungsbeitrag von 20 Millionen Franken soll Gloor eigenmächtig weitere 20 Millionen Franken eingeschossen haben.

Gloor sprach in diesem Zusammenhang von einem der schwierigsten Entscheide. Rückendeckung habe er für die Freigabe der zweiten Tranche nicht bei der Finanzdirektion eingeholt, weil es nur um die Fortsetzung der Sanierungsmassnahme gegangen sei. Aufgrund des «Fehlentscheids», der grosse Verluste für die BVK zur Folge hatte, habe er Finanzdirektor Huber seinen Rücktritt angeboten.

6 Jahre hinter Gitter

Die Staatsanwaltschaft fordert für Gloor 6 Jahre Gefängnis. Dies verlangt sie in ihrem Strafantrag vor dem Zürcher Bezirksgericht. 

Ausserdem verlangte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 80 Franken und eine Ersatzforder in Höhe von 1,14 Millionen Franken.

Das «System Gloor»

Gemäss Anklageschrift funktionierte das Bestechungssystem immer nach dem gleichen Muster: Ein Bekannter Gloors gründete eine Firma, der Anlagechef sorgte – oft eigenmächtig – dafür, dass sich die BVK grosszügig beteiligte oder lukrative Mandate an die Kollegen vergab.

Als Gegenleistung machte der BVK-Chef den Geschäftspartnern klar, dass die Deals auch für ihn persönlich etwas abwerfen müssten, wenn sie mit der BVK weiter zusammenarbeiten wollten. Auf diese Weise soll er zwischen 2000 und 2010 von fünf Geschäftspartnern wiederholt Bargeld und andere finanzielle Vorteile angenommen haben oder sich versprechen lassen.

Den höchsten Betrag, insgesamt 863'000 Franken, kassierte der Anlagechef gemäss Anklageschrift zwischen Ende Januar 2005 und Mai 2010 von einem langjährigen Freund, den er im Militär kennengelernt hatte. Die Geldübergaben sollen meist in Nobelrestaurants oder auf einem Parkplatz stattgefunden haben.

Die Verhandlung vor dem Zürcher Bezirksgericht ist auf drei Tage angesetzt, ein Urteil wird erst im September erwartet. Nach den Worten von Radio DRS-Korrespondent Curdin Vincenz droht Gloor eine Haftstrafe von bis zu 7,5 Jahren. 

Mehrere Geschäftspartner mitangeklagt

Vor Gericht erschienen auch drei Mitangeklagte, die gemäss Anklage Gloor Geld bezahlt hatten, um bei der Vergabe von BVK-Investitionsaufträgen berücksichtigt zu werden. Insgesamt sollen sie 1,2 Millionen Franken geschmiert haben. Während sie sich wegen Bestechung veranworten müssen, wird dem Hauptangeklagten passive Bestechung, ungetreue Amtsführung, gewerbsmässige Geldwäscherei und Amtsgeheimnisverletzung vorgeworfen.

Der Prozess gegen zwei weitere Angeklagte, die Gloor bestochen haben sollen, findet im September statt.

Milliardenloch bei der BVK

Die kantonale Zürcher Pensionskasse BVK steckt in argen finanziellen Schwierigkeiten. 2011 wies sie einen Deckungsgrad von rund 83 Prozent auf – es fehlten mehr als vier Milliarden Franken. Der Korruptionsskandal rund um den früheren Anlagechef Gloor spielt dabei nur eine kleine Rolle. Nach den Worten von Radio DRS-Korrespondent Curdin Vincenz sorgten vor allem die über Jahre schlechte Börsenlage und eine Reihe von politischen Fehlentscheiden in den neunziger Jahren für die heutige Schieflage.

Das Loch in der Kasse hat inzwischen zu einer Reihe von Sparmassnahmen geführt. Der Kanton muss zudem mehr als zwei Milliarden Franken Steuergelder einschiessen. Die frühere Beamtenversicherungskasse nennt sich heute «BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich» und ist eine der grössten Pensionskassen der Schweiz. Sie verwaltet über 20 Milliarden Franken.

(sda/drs/krua; buev)