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Energiepolitik

Warum Schweizer AKW doch nicht so erdbebensicher sind

Mittwoch, 11. Juli 2012, 21:06 Uhr

Als 2004 die PEGASOS-Studie erschien, war die Überraschung gross: Die Erdbebengefahr an den Schweizer AKW-Standorten war etwa doppelt so gross wie bis anhin angenommen. Die Atomaufsichtsbehörde (HSK) korrigierte die Ergebnisse darauf kurzerhand nach unten.

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Auf Antrag der AKW-Betreiber und auf Grund der grossen Unsicherheiten habe die HSK 2005 die Gefährdungsannahme mit 80 Prozent der Bodenbeschleunigung aus den PEGASOS-Resultaten festgelegt. Dies schreibt das Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI), wie die HSK heute heisst, auf Anfrage zu einem Bericht der «Aargauer Zeitung» und der «Südostschweiz».

Gefahr gebannt

Damit war die Gefahr eines Erdbebens für die Schweizer AKW auf einen Schlag 20 Prozent weniger gross als in der PEGASOS-Studie errechnet. Diese war von mehr als 20 hochkarätigen Erdwissenschaftlern aus dem In- und Ausland erstellt worden und setzte international neue Standards, wie die HSK damals festhielt.

Die Aufsichtsbehörde stellte aber auch grosse Unsicherheiten bei den Ergebnissen fest, vor allem wegen fehlender oder lückenhafter Informationen über Erdbebenquellen und des Verhaltens von Fels und Untergrund. Diese Unsicherheiten führten zu erhöhten Gefährdungen, weil in solchen Fällen konservativ gerechnet werden muss.

Die damalige HSK habe darum eine Reduktion der Gefährdungswerte als angemessen erachtet, schreibt das ENSI. Diese hätten noch immer deutlich über den statistischen Auswertungen der historischen Erdbeben gelegen und seien auch im internationalen Vergleich scharf gewesen. Das ENSI betont in der Stellungnahme auch, dass die Herabsetzung nicht auf Druck der AKW-Betreiber vorgenommen worden sei.

Neue Werte

Seit 2007 wird die PEGASOS-Studie nun im PEGASOS Refinement Project überarbeitet. Dazu werden unter anderem neue Untergrundmodelle und Erkenntnisse aus zusätzlichen Bohrungen herangezogen. Die bisherigen Resultate liefern deutlich tiefere Gefährdungswerte als in der PEGASOS-Studie ermittelt, wie das ENSI schreibt.

Nach der Fukushima-Katastrophe liess die Aufsichtsbehörde die Erdbebengefährdung der Schweizer AKW aufgrund der Zwischenergebnisse vom Mai 2011 neu untersuchen. In den am vergangenen Dienstag veröffentlichten Stellungnahmen attestiert sie den fünf Schweizer Atomkraftwerken, ein Erdbeben und ein dadurch ausgelöstes Hochwasser beherrschen zu können.

(sda/muei)