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Kultur

Ein halbes Jahrhundert Rockgeschichte mit den Rolling Stones

Mittwoch, 11. Juli 2012, 21:26 Uhr, Aktualisiert 12.07.2012, 16:06 Uhr

Am 12. Juli 1962 gaben die Rolling Stones in einem Club in London ihr erstes Konzert. Dann lieferten sie den Sound zur sexuellen Revolution, zum Studentenprotest und zum Drogenrausch. Die grössten Überlebenden des Pops sind unterdessen 50 Jahre gemeinsam unterwegs. Und immer noch erfolgreich.

Happy Birthday Rolling Stones (10vor10, 11.07.2012)

Wie so vieles in der Geschichte der Rolling Stones ist selbst ihre Gründung zum Mysterium geworden. Auch, wenn manche daran zweifeln, die meisten Fans sehen den 12. Juli 1962 als Startschuss einer Ära.

«It's all over now» – es ist alles vorbei: Bis auf weiteres dürfte man diese Worte von den Rolling Stones höchstens als Song hören. Zwar sehen die Mitglieder einer der berühmtesten Bands aller Zeiten mittlerweile etwas knittrig aus, angegriffen von den Zeichen der Zeit, aber das Thema Tour oder neue Platte ist noch nicht abgeschlossen. Ganz anders sieht es da mit den Anfängen aus. So richtig kann sich keiner mehr erinnern, wie das alles war, damals. Als Gründungstermin hat man sich weitgehend auf den ersten Auftritt der Band im legendären Londoner Marquee-Club am 12. Juli 1962 geeinigt.

«It's all over now»

Um den Abend und die Anfänge insgesamt schwebt wie bei so vielem, was mit den Rolling Stones zu tun hat, eine Art Mysterium. Wie genau sah die Besetzung aus? Was wurde gespielt?

Bild Mick Jagger gibt Autogramme
Sex, Drugs and Rock'n'Roll: Die Anfangszeiten der Rolling Stones sind sagenumwoben. keystone

Eher durch Zufall, weil eine andere Band ausfiel, sollen Richards, Jagger und die anderen Bandmitglieder, die die beiden angeworben hatten, auf der Marquee-Bühne gelandet sein. Sie nannten sich nach einem Muddy-Waters-Song «Rollin' Stones», noch ohne das «g». Die Musikzeitschrift «Rolling Stone» – naturgemäss dem exakten Wissen über ihre Namensgeber verpflichtet – weist auf die Fallstricke hin, die jedem begegnen, der die Geschichte der Stones schreiben will.

Dünne Faktenlage

Sicher ist demnach aber, dass am Abend des 12. Juli folgende junge Männer dabei gewesen sein sollen: Jagger (18), Richards (18), Brian Jones (20) an der Gitarre, Dick Taylor (19) am Bass, Ian Stewart (23) am Piano. Diskussionen gibt es um Mick Avory und Tony Chapman, und auch um die Setliste. «Verdammt dünne Faktenlage also, für ein derart weltbewegendes Ereignis», kommentiert der «Rolling Stone». Aber schliesslich habe damals auch noch niemand wissen könne, «dass ausgerechnet dieser Abend den glühenden Grundstein für die essenziellen Kapitel der Popgeschichte legte».

Die Rolling Stones feiern ihr 50. Bühnenjubiläum. (Tagesschau, 12.07.2012, 12.45)

Triumphe und Schicksalsschläge

Es folgten Jahre des Erfolgs, Höhen und Tiefen, persönliche Schicksalsschläge und grosse Triumphe. Schlagzeuger Charlie Watts kam schnell dazu, musste aber überredet werden, denn als Designer hatte er ein gesichertes Einkommen. Jagger, Richards und Watts sind heute noch dabei – ansonsten gab es aber einiges an Fluktuation in 50 Jahren Bandgeschichte. Im Sommer 1969 spielte sich eines der tragischsten Kapitel ab: Gitarrist Brian Jones wurde tot, mit Drogen und Alkohol im Blut, in einem Swimming Pool gefunden. Tage vorher war er von der Band entlassen worden. Der vierte Stone von heute, Ron Wood, kam erst 1975 dazu.

Die Stones lieferten den Soundtrack für gesellschaftliche Entwicklungen, heisst es zum 50. Jubiläum immer wieder. Dabei haben sie am eigenen Mythos von Anfang an fleissig mitgestrickt. Denn hinter ihrem Ruf als Sprachrohr einer Generation, als wilde Kämpfer gegen das Establishment und Helden des Blues und Rock'n'Roll steckt eine ganze Menge Planung.

So nahm Jagger nie als «Street Fighting Man» an Polit-Demos teil, bis heute fällt sein ordentlicher englischer Mittelklasse-Akzent auf. Gerade zu Beginn wurden die Stones bewusst als «böse Jungs» mit ruppiger Musik und rüdem Auftreten konstruiert, als Gegenspieler zu den adretten Beatles. Ihrer Musik hat das nie wirklich Abbruch getan. Heute, 50 Jahre nach der Gründung, kennt noch fast jeder mindestens einen Stones-Hit, die meisten sehr viele mehr.

(sf/dpa/rufi; muei)