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Kultur

Ein Film gegen das Image-Problem der Schweiz

Interview: Tobias Bühlmann
Mittwoch, 11. Juli 2012, 20:11 Uhr

«Image Problem», der im Wettbewerb des Filmfestivals Locarno läuft, nimmt sich dem schlechten Ruf der Schweiz im Ausland an. Simon Baumann, einer der beiden Regisseure des Films, spricht im Interview über Provokation und die Selbstwahrnehmung der Schweizer.

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«SF Online»: Sie zeigen erstmals einen Film in Locarno und haben es damit gleich in den internationalen Wettbewerb geschafft. Was ist das für ein Gefühl?
Simon Baumann: Das ist sehr aufregend. Zugleich haben wir aber auch grossen Respekt, wenn man vom Nullpunkt aus gleich durchstartet, das macht schon was mit einem. «Image Problem» ist ja unser erster abendfüllender Kinofilm.

Worum geht es in dem Film?
«Image Problem» ist ein satirischer Dokumentarfilm. Wir hatten den Eindruck, dass die Schweiz ein Problem mit ihrem Image hat. Deswegen bin ich mit meinem Co-Regisseur Andreas Pfiffner losgezogen, um einen Werbespot für die Schweiz zu machen. Der soll unser Land ein für alle Mal ins rechte Licht rücken. Unser Film zeigt den Entstehungsprozess dieses Werbefilms, ist also eigentlich ein Making-of. Nach Plan läuft dabei aber wenig.

«Wir haben eher Angst, nicht anzuecken.»
Simon Baumann, Filmemacher

Und gibt‘s diesen Werbefilm dann auch zu sehen?
Das will ich an dieser Stelle offen lassen.

Worauf zielen Sie ab mit «Image Problem»?
Nebst den bekannten Klischees von Bergen, Seen und Schoggi macht die Schweiz zunehmend mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Beihilfe zur Steuerhinterziehung, fremdenfeindliche Abstimmungs-Kampagnen und ausbeuterische Rohstofffirmen schaden dem Image unseres Landes.
Zugleich haben wir den Eindruck, dass die Schweizer ihr schlechtes Image im Ausland gar nicht wahrnehmen. Wir erleben unsere Landsleute als selbstzufrieden und manchmal sogar als arrogant gegenüber schlechter Presse aus dem Ausland. Mit unserem Film wollen wir deshalb zeigen, in welchem Zustand sich unser Land derzeit befindet und dass der Schweiz das Sensorium dafür fehlt, wie wir im Ausland wahrgenommen werden.

Haben Sie keine Angst, anzuecken?
Nein, wir haben eher Angst, nicht anzuecken. Mit unserem Film wollen wir eine Diskussion über die Rolle der Schweiz in der Welt anstossen.

Die Filmemacher Andreas Pfiffner (l.) und Simon Baumann. (pd)

Die Filmemacher

«Image Problem» ist der erste abendfüllende Kinofilm der Berner Filmemacher Simon Baumann (33) und Andreas Pfiffner (35). Zuvor drehten sie die Kurzfilm-Satire «Emozioniere» (2009), mit der sie internationale Festival-Erfolge erzielten, und die Fernseh-Dokumentation «Hope Music» (2007) über die Entstehung des ersten Albums der Bieler Band Pegasus.

«Image Problem» läuft in Locarno am Freitag, 3.8. um 16.15 Uhr im Auditorium Fevi. In die Deutschschweizer Kinos kommt der Film voraussichtlich im Herbst.