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International

Massaker von Srebrenica: Grosse Trauer auch 17 Jahre danach

Mittwoch, 11. Juli 2012, 14:12 Uhr, Aktualisiert 15:42 Uhr

Rund 35'000 Menschen haben in der ostbosnischen Stadt Srebrenica der Toten des Massakers von 1995 durch bosnisch-serbische Truppen gedacht. Zugleich wurden weitere 520 Opfer beerdigt. Sie konnten erst kürzlich identifiziert werden.

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Srebrenica: Unendliches Leid, auch 17 Jahre später (unkommentiert)

Im Juli 1995 ereignete sich mitten in Europa das schlimmste Kriegsverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg. Im Bosnienkrieg wurden rund 8000 muslimische Jungen und Männer bei der Einnahme von Srebrenica durch bosnisch-serbische Truppen gefangen genommen und anschliessend systematisch getötet.

Auf der Gedenkstätte in Potocari bei Srebrenica, wo bereits 5137 Tote liegen, wurden weitere 520 Opfer des Massakers beerdigt. Sie waren im vergangenen Jahr aus Massengräbern geborgen und identifiziert worden.

Der Völkermord von Srebrenica

Das Massaker von Srebrenica gilt als schwerstes Kriegsverbrechen in Europa seit 1945. Am 11. Juli 1995 eroberten bosnisch-serbische Truppen die von Muslimen bewohnte Stadt, obwohl sie UNO-Schutzzone war.

Kampflos überliessen niederländische Blauhelme den etwa 2000 gut ausgerüsteten Angreifern unter General Ratko Mladic die Stadt. Bis zu 8000 muslimische Männer und Jugendliche wurden abgeführt, die meisten später erschossen und in Massengräbern verscharrt. Frauen und Kinder wurden deportiert.

An der Gedenkfeier nahmen auch etwa 7000 Menschen teil, die am Vorabend nach dem sogenannten «Friedensmarsch» in Srebrenica eingetroffen waren. Sie hatten einen Fussweg von über 100 Kilometern innerhalb von drei Tagen zurückgelegt.

Bild Familien trauern an den Särgen der kürzlich identifizierten Opfer des Massakers von Srebrenica 1995. (reuters)
Betroffene: «Jedes Jahr, wenn sich der 11. Juli nähert, wird der Schmerz unerträglich.» reuters

Die Teilnehmer wollten damit an die vielen Flüchtlingsströme während des Bürgerkrieges (1992-1995) erinnern. «Ich spüre Schmerz, unendlichen Schmerz», sagte eine Frau, deren Vater auf der Gedenkstätte beigesetzt wurde.

Halbherziges Schuldeingeständnis

Ein New Yorker Rabbiner, der als Gast angereist war, warnte davor, «diesen Genozid zu leugnen oder zu vergessen». «Es ist wichtig, so viele Zeugnisse wie möglich von Überlebenden zu sammeln. Das ist das stärkste Instrument, um die Leugnung der Tatsachen zu verhindern.»

Der von zwei internationalen Gerichten festgestellte Völkermord wird in der serbischen Landeshälfte Bosniens bis heute bestritten. Das Parlament der Republik Serbien hatte sich im März 2010 mit hauchdünner Mehrheit und einer halbherzigen Erklärung für das Verbrechen entschuldigt.

Drahtzieher in Den Haag

Als verantwortlich für das Massaker gilt auch der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic. Er muss sich seit Mitte Mai vor dem UNO-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag verantworten. Er war im Mai 2011 nach über zehn Jahren Flucht in Serbien verhaftet worden.

Neben Mladic gilt der frühere politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, als Hauptverantwortlicher für das Massaker. Er wurde erst im Juli 2008 enttarnt: Der Arzt hatte unter falschem Namen in Belgrad gelebt und als Heilpraktiker gearbeitet. Der Prozess gegen ihn läuft seit Oktober 2009.

(agenturen/schubeca;mery)