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Energiepolitik

Zweifel an Ensi-Beurteilung: «AKW werden sichergerechnet»

Montag, 9. Juli 2012, 16:16 Uhr, Aktualisiert 16:52 Uhr

Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) kritisiert die Beurteilung der Atomaufsicht Ensi zur Erdbeben-Sicherheit von Schweizer AKW. Das Ensi habe bei der Erdbebenstudie andere Kriterien angewendet, anstatt die Resultate der Pegasos-Studie von 2004 anzuwenden. «Das ist nicht seriös.»

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Es sei zu bezweifeln, dass die Schweizer AKW einem extremen Erdbeben, das alle 10‘000 Jahre einmal vorkommen kann, standhalten würden. Davon ist die Umweltorganisation Schweizerische Energie-Stiftung überzeugt. Vor allem das AKW Mühleberg sei wegen dem Wohlensee-Staudamm massiv gefährdet.

Sabine von Stockar, SES-Projektleiterin, erklärt «SF Online» den Vorwurf folgendermassen: «Für das AKW Mühleberg existieren Berechnungen, die zeigen, dass zum Beispiel der Wohlensee-Staudamm einem solchen Erdbeben nicht standhalten würde.» Anstatt die Werte der Erdbebenstudie Pegasos anzuwenden, habe die Atomaufsicht willkürlich einen Abzug von 20 Prozent gemacht. «Der führt zu milderen Anforderungen für die AKW.»

Es falle auf, dass das Ensi bei jeder Prüfung immer wieder zum gleichen Schluss komme: «Dass an den AKW nichts geändert, sondern nur Einzelheiten weiter geprüft werden müssen». Diese unsaubere «Nachweise-Nachliefer-Kultur» zeige, dass sich das Ensi von den AKW-Betreibern offensichtlich beeinflussen lasse, so von Stockar.

«Zahlen werden sichergerechnet»

1977 wurde erstmals die Erdbebensicherheit der Schweizer AKW untersucht. Damals galten sie als erdbebensicher. Fast 30 Jahre später gab das Ensi die Pegasos-Studie in Auftrag. Deren Resultate zeigten 2007: Die Erdbebengefahr für Schweizer AKW ist deutlich höher, als bisher angenommen.

Die AKW-Betreiber kritisierten das Resultat der Studie. Darauf wurde sie vom Fachverband der AKW-Betreiber Swissnuclear neu gerechnet.

Für die Umweltorganisation ist klar, dass Pegasos die Erbebengefahren wieder kleiner rechnen musste, weil die Schweizer AKW Pegasos nicht überstehen würden. «Die heutigen Aussagen des Ensi basieren lediglich auf Zwischenergebnissen dieses Pegasos-Projekts. Wie die offzielle Erdbebengefährdung an den AKW Standorten wirklich aussieht, ist bis heute unklar.» 

Fokus Anti Atom empört

Auch der Berner AKW-Gegner Jürg Joss von der Organisation Fokus Anti Atom kritisiert die Atomaufsicht Ensi scharf. Die Eingaben der AKW-Betreiber seien weitgehend durchgewunken worden, schreibt er in seinem Blog.

Daneben werde der Mühleberg-Betreiberin BKW erneut eine grosszügige Frist eingeräumt, um wichtige offene Fragen zu beantworten. Die Katastrophe von Fukushima rücke derweil in zeitliche Ferne.

Joss warnt vor « Operation am offenen Herzen»

Ensi und BKW hofften offenkundig auf «die Vergesslichkeit der Öffentlichkeit», so Joss. Unklar sei, ob das Ensi der Sicherheit oder den AKW-Betreibern verpflichtet sei.

Joss warnt im Blog auch davor, anstehende Instandhaltungsarbeiten während des laufenden AKW-Betriebs durchzuführen. Das wäre «eine Operation am offenen Herzen». Er spielt damit auf die geplante Verstärkung der Stauanlage an sowie auf die Schaffung einer Aare-unabhängigen Kühlquelle von der Saane her.

(sf/schubeca/buev;buev)