Energiepolitik
Schweizer AKW: Grünes Licht – mit Hausaufgaben
Alle 5 Schweizer AKW können am Netz bleiben – so der aktuelle Zwischenbericht der Atomaufsicht Ensi. Die AKW seien gegen ein extremes Erdbeben ausreichend gesichert. Aber: Die AKW müssen in den kommenden Monaten teils kräftig über die Bücher.
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Die Betreiber der 5 Schweizer Atomkraftwerke haben gemäss der Atomaufsichtsbehörde Ensi den Nachweis erbracht, bei einem alle 10'000 Jahre auftretenden Erdbeben genügend sicher zu sein – ohne, dass Mensch und Umwelt zu Schaden kommen. Somit können alle Schweizer AKW in Betrieb bleiben.
«Die Schweizer Kernkraftwerke sind auf einem hohen Sicherheitsstand – auch im internationalen Vergleich», bilanziert Ensi-Direktor Hans Wanner.
Nur Zwischenbericht
«Die aktuellen Erdbebennachweise haben nur eine vorübergehende Gültigkeit», hält Georg Schwarz, Leiter des Aufsichtsbereichs AKW beim Ensi, fest. Sie basieren auf einer Zwischenberechnung des Projektes Pegasos vom Mai 2011. Nach Abschluss des Projekts werde die Erdbebengefährdung für jeden Standort neu festgelegt.
Ensi-Direktor Hans Wanner erklärt in der «Tagesschau», warum die neusten Berechnungen dennoch schon heute kommuniziert worden sind: «Wir wissen nicht, wann der Bericht fertig ist. Wir wollten schnelle Nachweise haben.»
AKW müssen über die Bücher
Die AKW müssen – trotz positivem Entscheid – neue Auflagen erfüllen. Es geht dabei vor allem um die Vollständigkeit der Analysen:
- Leibstadt und Mühleberg müssen bis Ende Oktober unter anderem nachweisen, dass ein Abheben oder Verschieben der Brennelemente im Erdbebenfall ausgeschlossen werden kann.
- Mühleberg muss zudem Unterlagen für den Nachweis der Erdbebensicherheit des Stauwehrs beim Wohlensee-Staudamm bis Ende August nachreichen.
- Gösgen muss bis Ende September u.a. weitere Analysen zu den Themen Kernkühlung und Erdbebenfestigkeit der Brennelementlagerbecken einreichen. Zudem muss die Hochwassergefahr nochmals analysiert werden.
- Beznau muss überprüfen, wie die Frischdampf-Ventile durchgängig erdbebenfest angesteuert werden können und bis Ende September weitere Details bei Brennelementlagerbecken klären.
Mühleberg: Vom «Wackelkandidat» zur sicheren Anlage
Das Ensi musste unter anderem beurteilen, ob der Wohlensee-Staudamm bei AKW Mühleberg einem Erdbeben standhält. Bislang galt das AKW als «Wackelkandidat» unter den AKW. Den Wandel nun hin zu einer sicheren Anlage erklärt Wanner in der «Tagesschau» so: «Die Nachweise mussten von Grund auf neu erbracht werden.»
Anfang Juli hatte die BKW bei den Berner Kantonsbehörden ein Baugesuch für Instandhaltungsarbeiten an der Stauanlage eingereicht. Geplant ist eine Verstärkung des Untergrunds unterhalb der Stauanlage durch 18 Meter hohe Bohrpfähle.
Die Arbeiten werden gemäss BKW rund sieben Monate dauern und 12 Millionen Franken kosten. Die Standfestigkeit der Stauanlage entspreche den gültigen Richtlinien, so das BKW.
BKW zufrieden mit Zwischenbericht
Der Mühleberg-Betreiber, der bernische Energiekonzern BKW, zeigt sich in der «Tagesschau» erfreut. Medienchef Antonio Sommavilla sagte, die BKW sei zuversichtlich, dass man mit dem grossen Instandhaltekonzept die Sicherheit der Anlage nochmals aufzeigen könne.
SES kritisiert Ensi-Entscheid
Die Umweltorganisation Schweizerische Energie-Stiftung (SES) kritisiert den Entscheid des Ensi. Anstatt die Resultate der Pegasos-Studie anzuwenden, habe die Atomaufsicht die Zahlen sichergerechnet. Lesen Sie hier mehr dazu.
Gösgen gerüffelt
Das Esni akzeptiert die Erdbebennachweise von allen vier AKW-Betreibern. Das AKW Gösgen habe jedoch Ende März einen «qualitativ teilweise mangelhaften Erdbebennachweis» eingereicht.
Das Ensi musste deshalb mehrmals Nachforderungen stellen und zusätzlich eigene Berechnungen anstellen. Gösgen hatte in der Folge Teile des Nachweises grundlegend überarbeitet und die letzten Berichte am 29. Juni 2012 eingereicht.
Halbe Leistung im AKW Gösgen
Das Atomkraftwerk Gösgen im Kanton Solothurn ist auf die halbe Leistung herunter gefahren worden. Grund dafür war eine erhöhte Vibration an zwei Speisewasserpumpen. Diese haben nach Angaben des AKW-Betreibers keine sicherheitstechnische Bedeutung.
Um Schaden an den Pumpen zu verhindern, würden Abklärungen vorgenommen, die einige Tage dauern könnten. Das Ensi sei informiert worden.
Die Erstüberprüfung dieser Unterlagen habe gezeigt, dass jetzt die wichtigsten Forderungen erfüllt seien. Allerdings will die Aufsichtsbehörde die zuletzt nachgereichten Unterlagen noch vertieft prüfen. Sie rüffelte den Betreiber.
Die Forderung für Gösgen sei «etwas speziell». Die Qualität der Analysegruppe müsse verbessert werden, hielt Wanner fest. Gösgen müsse wirklich Massnahmen ergreifen, die das Problem lösten. Die Sicherheit der Anlage ist gemäss Wanner «natürlich gegeben».
Konsequenzen nach Fukushima
Das Ensi hatte die Nachweise zur Sicherheit bei extremen Erdbeben als Konsequenz der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima verlangt. Weitere eingereichte Nachweise der AKW-Betreiber zu anderen Sicherheitsthemen werden derzeit geprüft.
Die Anforderungen an die Erdbebensicherheit sind in den letzten Jahren gestiegen. Zudem wurden die Berechnungen genauer als zu der Zeit, als die Atomkraftwerke gebaut worden waren.
Gemäss der Ausserbetriebnahme-Verordnung muss ein AKW abgeschaltet werden, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann.
(sf/sda/awp/schubeca;buev)



