Wirtschaft
Clariant-Chef: «Markt in Südeuropa ist tot»
Der Chef des Chemiekonzerns Clariant, Hariolf Kottmann, ortet bei seinen Kunden derzeit ein «typisches Krisenverhalten»: Sie bestellten kleinere Mengen, dafür häufiger. Dennoch entwickle sich das Geschäft wie erwartet.
«Wir sind nicht nervös, was das Umfeld angeht», sagte Kottmann im Interview mit der «NZZ am Sonntag». «Klar könnte es besser sein.» Im Vergleich zum Herbst 2008 seien die Auftragsbücher aber nicht leer.
Wichtige Absatzmärkte wie Südostasien oder Lateinamerika würden weiter expandieren. Anders in Europa: «Der Markt in Südeuropa ist tot – nicht nur für Clariant», sagte Kottmann. «Auch in Deutschland haben wir den Eindruck, dass die Dynamik nachlässt.»
«Egal, wo der Mindestkurs liegt»
Die Schuld dafür sieht der Clariant-Chef auch in der Politik. «Von den Politikern der Europäischen Union kommen ständig wechselnde Signale», kritisiert er. Dies destabilisiere die Wirtschaft. «Niemand weiss, was als Nächstes passieren wird.»
Stabilität fordert Kottmann auch, was den Wechselkurs des Franken zum Euro betrifft. «Uns ist vollkommen egal, ob der Mindestkurs bei 1,10 Franken, 1,20 Franken oder 1,30 Franken liegt. Wir wollen nur Stabilität.»
Neben dem Markt in Europa bereitet auch derjenige in den USA dem Clariant-Chef Sorgen. Die US-Konjunktur wachse nur oberflächlich – dies bleibe vermutlich so bis nach den Präsidentschaftswahlen. Vom neuen US-Präsidenten erwarte er «harte, unpopuläre Massnahmen», sagte Kottmann. Ohne diese drohe das Land von seiner Schuldenlast erdrückt zu werden.
(sda/frua; bers)



