Kunst, Geld und Glamour – die Reihenfolge der drei Prinzipien von Pereiras Intendanz ist beliebig und lässt sich nach Anlass, Absicht und Bühne (die beileibe nicht immer die des Opernhauses sein musste) variieren. Der gebürtige Wiener, Jahrgang 1947, mit portugiesischen Wurzeln beherrscht alle drei Klaviaturen perfekt. Und das selbst im zwinglianischen Zürich, das er nun «mit viel Wehmut» verlässt, wie er am letzten Zürcher Opernball – auch eine seiner glanzvollen Plattformen – verriet.
Glamourös ist ebenfalls seine 39 Jahre jüngere Partnerin, das brasilianische Model Daniela Weisser; eine Liaison, die inzwischen selbst die prüdesten Operngänger nicht mehr aufregt.
Kniefall vor den Stars
Glamourös ist sodann die Liste der in der Ära P. in Zürich auftretenden Stars von Renée Fleming über Cecilia Bartoli bis Anna Netrebko, von Jonas Kaufmann über Rolando Villazón bis Thomas Hampson. Pereira hat sie alle mit Schmäh und dem obligaten Kniefall nach Zürich gebracht. Dem Vernehmen nach nicht nur wegen horrenden Gagen, sondern weil sie sich hier wunderbar umsorgt und sozusagen «en famille» fühlten.
Mit derart klingenden Namen brachte der verhinderte Opernsänger und begnadete Schnorrer – das Verkaufen hatte er bei Olivetti, das Kulturmanagement später bei den Frankfurter Bach-Konzerten und dem Wiener Konzerthaus trainiert – die Sponsoren dazu, ihre Börsen zu öffnen. Dazu gehörte auch die weltweit höchste Premierenzahl pro Spielzeit, was die Werkstätten an und über die Grenzen der Belastbarkeit führte.
Doch nur so könne er auch die nötigen Sponsorengelder in der Grössenordnung von 10 Millionen Franken und mehr pro Saison generieren, war seine Devise. Sie ging auf, offenbar auch auf Seite des Publikums: Mit 40 Prozent Eigenwirtschaftlichkeit stand das Haus einzigartig da. Einmalig waren auch die 65 festen Sängerverträge auf jeweils 5 Jahre; ein Luxus, der dem Haus nicht nur ein hervorragendes Ensemble beschert, sondern es erlaubte, die Entwicklung einzelner Sänger zu verfolgen.
Disparates Fazit
Und wo hätte man ein vergleichbar tolles, homogenes Team, zum Beispiel für Mozart, erleben können! Mozart, Verdi, Wagner, Puccini, Strauss bestimmten denn auch das Kernprogramm. Dazwischen gab's immer wieder Raritäten – noch in seiner letzten Spielzeit hievte er Pfitzner und Hindemith auf den Spielplan. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhundert jedoch fehlte weitgehend, die nicht allzu zahlreichen pflichtschuldigen Uraufführungen scheinen kaum nachhaltig zu sein.
Und ziemlich disparat fällt das Fazit in Sachen Regie aus. Alles gab es da: positiv Irritierendes, aber auch erschreckend Banales, packend Geniales und unsäglich Verstaubtes, Innovatives und nichtssagende Ästhetik. Schostakowitschs «Nase» in der Inszenierung von Stein und Donizettis «Viva la mamma» von Kusej sind zwei diametrale Beispiele der letzten Spielzeit – wobei der Leser, die Leserin die Punktzahl selbst verteilen mag.
Wo immer die Präferenzen liegen, eines muss man dem scheidenden Intendanten lassen: Er brachte «sein» Haus – und sich! – immer wieder ungeniert ins Spiel. Wörtlich ist das anlässlich seiner Abschiedsvorstellung von heute Sonntag zu erleben: In Verdis «Falstaff» wird er sich unter die Sänger mischen, um sich einen letzten Auftritt zu gönnen. Danach wird er sich ganz seiner neuen Aufgabe bei den Salzburger Festspielen widmen.
(sda/buet;frua)