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Kultur

Bachmann-Preis geht an Olga Martynova

Sonntag, 8. Juli 2012, 14:57 Uhr

Es blieb spannend bis zuletzt: Erst nach mehreren Stichwahlen ist in Klagenfurt die Preisträger des 36. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbes festgestanden. Haupt-Preisträgerin ist Olga Martynova, die in Russland geboren wurde und in Frankfurt am Main lebt.

Bild Martynova mit Blumenstrauss im Porträt.
Grosse Ehre für die in Russland geborene Olga Martynova: Sie gewinnt den Oscar der deutschen Literatur. keystone

Die neue Bachmann-Preisträgerin überzeugte mit dem Text «Ich werde sagen: Hi!», den Juror Paul Jandl als «Geburt eines Dichters durch die Erotik» beschrieb. Jurorin Daniela Strigl freute sich über den «hintersinnigen, anarchischen Witz» in der Erzählung, die Kritikerin Meike Fessmann lobte den Beitrag als «souveränen und luftigen» Text.

Die 50-jährige Autorin schildert das doppelte Erwachen ihres jungen Protagonisten während der Ferien – Dichtung und Mädchen ziehen ihn gleichermassen an. Die Jury beeindruckten vor allem kunst- und humorvoll eingeflochtene kulturgeschichtliche Bezüge. Sie sah den Text als einen von wenigen Beiträgen im Wettbewerb, die über private Themen hinausreichte und Welthaltigkeit zeigte.

Kelag-Preis an Matthias Nawrat

Der Kelag-Preis in Höhe von 10'000 Euro geht an den in Polen geborenen Matthias Nawrat, der in Bamberg und Biel lebt. Sein satirischer Text «Unternehmer» fand Lob auch als «kluge Satire auf den Literaturbetrieb».

Der 1979 geborene Autor schildert mit sprachlichen Einschüben aus der Wirtschaftswelt das merkwürdig Treiben einer desolaten Altmetallhändler-Familie, die vom Auswandern nach Neuseeland träumt.

Tragischer Todesfall

Den 3Sat Preis mit 7'500 Euro sprach die Jury Lisa Kränzler aus Freiburg für ihren Text «Willste abhauen» zu. Überschattet wurde dies vom Tod von Kränzlers Lektor Jan Jenrich vom Verbrecher Verlag.

Jenrich starb in Klagenfurt im Schlaf an einem Herzversagen, wie der Verlag mitteilte. Juror Hubert Winkels, der Kränzler vorgeschlagen hatte, hielt in seiner Laudatio fest, Jenrich habe zum Gelingen des Textes und damit auch zum Erfolg der Autorin massgeblich beigetragen.

Der Ernst-Willner-Preise der Verlage in Höhe von 5'000 Euro geht an die Berlinerin Inger-Maria Mahlke für den nicht betitelten Auszug aus einem Roman.

Die Zuschauer kürten in der Internet-Abstimmung die Niederösterreicherin Cornelia Travnicek zur Trägerin des Publikumspreises, der mit 7'000 Euro dotiert ist. Travnicek gewann die Sympathien mit der Geschichte «Junge Hunde».

(dpa/horm;frua)