Schweiz
Leon Schlumpf: Populärer Vollblut-Politiker
Der Bündner Alt-Bundesrat Leon Schlumpf ist tot. Schlumpf war von 1980 bis 1987 Mitglied der Landesregierung und stand dem damaligen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement vor. Ein Rückblick auf das Leben eines Vollblut-Politikers.
Leon Schlumpf wurde am 3. Februar 1925 in Felsberg (GR) geboren, am Samstag starb er im Spital in Chur. «SF Online» zeigt Ausschnitte aus einem seiner letzten Interviews. Das Gespräch wurde von der Bündner Korrespondentin Isabelle Jaeger anlässlich der Wiederwahl von Eveline Widmer-Schlumpf zur Bundesrätin in seinem Haus in Felsberg geführt.
Er hat sich pointiert zur Aufspaltung der SVP, die Bedeutung seiner Heimat Graubünden und zu seiner Tochter geäussert.
Leon Schlumpf galt als einer der Architekten der SVP. 2008 wohnte er der Gründung der BDP Graubünden bei. Diese Sektion wurde nach der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat gegründet.
Die Spaltung der SVP in SVP und BDP hat er erst bedauert. Im Nachhinein ist er aber nicht so unglücklich darüber. «Man hat mich als einer der Mitbegründer aus der SVP aus der Partei geworfen. Aber schlussendlich ist es eine konsequente Lösung unserer inhaltlichen Differenzen», sagte Schlumpf Ende letzten Jahres.
Politische Anfänge in Graubünden
In der Rückblende begann seine politische Karriere schon früh in seinem Heimatkanton Graubünden: Als junger Anwalt und Notar in Chur war Schlumpf Mitglied kommunaler Behörden und Kreisbehörden. Ab 1955 war er während zehn Jahren Mitglied des Grossen Rates und von 1966 bis 1974 Regierungsrat. Er stand dem Departement des Innern und der Volkswirtschaft vor.
Vom 1966 bis 1974 vertrat Schlumpf Graubünden im Nationalrat, ab 1974 bis 1979 im Ständerat. Seine landesweite Popularität verdankte Schlumpf der Tätigkeit als Preisüberwacher des Bundes, die er vom 1. Juli 1974 bis Ende 1978 ausübte. 1979 wurde er in den Bundesrat gewählt.
Wichtige Entscheide für Verkehr, Energie und Medien
Schlumpfs Tätigkeit als Verkehrs- und Energieminister wurde geprägt durch verschiedene Planungen. Im Bereich Verkehr bemühte er sich um ein zukunftsträchtiges Verhältnis zwischen öffentlichem und privatem Verkehr.
Wichtige Arbeiten des Departementes unter seiner Federführung waren die Koordinierte Verkehrspolitik, das Konzept Bahn 2000, der Leistungsauftrag an die SBB und die Überprüfung des Nationalstrassennetzes.
Bei der Energiewirtschaft prägten die Neuauflage des Energieartikels und die Auseinandersetzung mit der Frage eines Ausstiegs aus der Atomenergie die Tätigkeit von Schlumpf im Bundesrat. Im Medienwesen brachte er den Radio- und Fernsehartikel unter Dach und Fach. Damit ermöglichte er ein Nebeneinander von SRG und privaten Radio- und TV-Stationen.
Nach langen Vorbereitungen wichtige Pflöcke eingeschlagen
Als Schlumpf sein Amt antrat, lagen etliche Gesamtkonzeptionen auf dem Tisch. Er musste diese Konzepte für Energie, Verkehr und Medien umsetzen und präsentierte Botschaften und Vorlagen, vom Tarifverbilligungspaket über Subventionen für den Vereina-Tunnel – er gilt als dessen Vater – bis zum Beschluss zum Satellitenrundfunk.
Schlumpf verfolgte seine Ziele mit Zähigkeit. In der ersten Phase seiner Tätigkeit im Bundesrat fällte er aber kaum Entscheide. Seine Gegner warfen ihm deshalb oft Entscheidungsschwäche vor.
Gegen Schluss seiner Bundesratszeit konnte er diese Vorwürfe allerdings entkräften. Es gelang ihm, Pflöcke einzuschlagen und die Gewichte in der Energie-, Verkehrs- und Medienpolitik in eine zukunftsträchtige Richtung zu verschieben.
Wenig Öffentlichkeit nach Rücktritt
Nach seinem Rücktritt aus dem Bundesrat Ende 1987 engagierte sich Leon Schlumpf unter anderem bei der «Pro Infirmis» und im Vorstand der Organisation «Patenschaft für Berggemeinden». Zudem widmete er sich seinem Weinberg, dem Fussball sowie der Familie und der Musik.
Schlumpf galt als begnadeter Musiker. Unter dem Pseudonym «Rätus Tellena» komponierte er selber Stücke und spielte in verschiedenen Ländlerkapellen. 1997 legte Schlumpf seine Erinnerungen in Buchform unter dem Titel «Reminiszenzen» vor.
Tochter folgt dem Vater
2007 stand Leon Schlumpf erneut im Scheinwerferlicht der Bundespolitik: Seine Tochter Eveline Widmer-Schlumpf wurde überraschend an Stelle von Christoph Blocher in den Bundesrat gewählt.
Bevor sie die Wahl annahm, hatte Widmer-Schlumpf – damals noch SVP-Politikerin und Bündner Finanzdirektorin – auch mit ihrem Vater gesprochen, wie dieser danach erzählte: «Wir haben Pro und Contra abgewogen. Und aus ihren Äusserungen habe ich nach dem Gespräch auf eine Annahme der Wahl geschlossen», sagte Leon Schlumpf. In dem TV-Gespräch des Schweizer Fernsehens sagte er: «Ich bin natürlich ein Fan von Eveline Widmer-Schlumpf. Aber nicht nur weil sie meine Tochter ist.»
Im vergangenen Dezember durfte er erneut mit seiner Tochter feiern: Anlass war der Empfang von Eveline Widmer-Schlumpf nach der Wahl zur Bundespräsidentin im Kanton Graubünden. Sein Heimatkanton hat im als Bundesrat viel bedeutet. «Bern ist eine schöne Stadt, doch die Heimat ist doch was Besonderes», sagte er im Gespräch mit SF.
(sf/sda/rufi;weis)






