International
Über 130 Tote in Russland nach Dauerregen
Die russische Schwarzmeer-Region ist von einer schweren Naturkatastrophe betroffen. Wegen massiven Überschwemmungen sind über 100 Menschen gestorben. In mehreren Städten der beliebten Ferienregion wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Präsident Wladimir Putin hat derweil angekündigt, dass untersucht werde, ob die Behörden versagt haben.
Nach den verheerenden Regenfällen im Süden von Russland sind nach neusten Angaben mindestens 134 Menschen ums Leben gekommen – unter ihnen sind viele ältere Menschen. Die Behörden rechnen mit weiteren Toten. Die Identifizierung der geborgenen Leichen gestaltete sich schwierig. «Es ist schwer festzustellen, woher sie kommen», sagte ein Polizeisprecher. Die Menschen hatten kaum eine Chance. Sie wurden im Schlaf von den Wassermassen überrascht.
Die meisten Todesopfer gab es in der Gegend um die Stadt Krimsk – in der Region Krasnodar – rund 300 Kilometer nordwestlich von Sotschi. Dort kamen nach Angaben der Polizei allein 92 Menschen ums Leben, einige durch Stromschläge, weil ein Blitz in einen Transformator eingeschlagen war.
2 Menschen wurden in Noworossisk und 9 im bei Touristen beliebten Küstenort Gelendschik getötet. Dort regnete es in 24 Stunden so viel wie sonst in 5 Monaten.
Putin kündigt Untersuchung an
Eine Bewohnerin aus Krimsk sagte, die Behörden hätten keine Warnung ausgegeben, das Unglück sei überraschend gekommen. «Das Wasser stieg sehr schnell, die Erdgeschosse wurden in fünf bis zehn Minuten überflutet, das Wasser riss Bordsteinkanten weg und sogar Stücke vom Asphalt.»
Präsident Wladimir Putin ist derweil im Katastrophengebiet eingetroffen. Nachdem er sich zunächst im Helikopter einen Überblick über die Situation in der überfluteten Region Krasnodar gemacht hatte und mit Mitarbeitern des Zivilschutzes über die weiteren Rettungsarbeiten beriet, kündigte er Untersuchungen an. Es werde untersucht, ob die Behörden die Bevölkerung früh genug gewarnt hätten.
«Nichts Vergleichbares in den letzten 70 Jahren»
Tausende Häuser stehen unter Wasser, rund 22‘000 Menschen sind ohne Strom. Bahngleise und Strassen wurden unterspült oder von Schlamm überdeckt. Laut der Bahn liegen die Schienen einen halben Meter unter Wasser.
Russlands grösster Schwarzmeer-Hafen Noworossisk stoppte wegen des Sturms die Ölverschiffung und schränkte auch den übrigen Betrieb ein.
Ein örtlicher Gouverneur sagte: «Niemand kann sich in der Geschichte an solche Überschwemmungen erinnern. In den vergangenen 70 Jahren hat es nichts Vergleichbares gegeben.» Die Behörden sprechen von der grössten Naturkatastrophe in der Schwarzmeer-Region seit zehn Jahren.
Regierung schickt Hilfe in die Region
Der Zivilschutz ist mit schwerem Gerät im Einsatz. Die Armee stellte Speziallastwagen und schwere Hebekräne bereit. Regierungschef Dmitri Medwedew wies Zivilschutzminister Wladimir Putschkow an, sich persönlich um die Arbeiten zu kümmern. Die Führung in Moskau schickte zudem ein Transportflugzeug mit Rettungskräften und zwei Hubschraubern an Bord in die Region.
Experten schätzten den Sachschaden auf umgerechnet 250 Millionen Euro.
Unwettertote auch in Deutschland
Auch Deutschland sind bei Umwettern drei Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 20 wurden am Freitag verletzt. Ausläufer des Tiefs «Mina» brachten sintflutartige Regenfälle. In Sachsen galt am Samstag für Teile des Landkreises Görlitz Katastrophenalarm.
Im polnischen Niederschlesien wurden ebenfalls zahlreiche Keller überflutet. Verbindungsstrassen wurden durch Hochwasser und umgestürzte Bäume unpassierbar.
Im Norden Tschechiens traten mehrere Flüsse über die Ufer. Unter anderem musste auch ein Ferienlager für Kinder in der Grenzregion zu Sachsen evakuiert werden.
In der Slowakei wurde das bekannteste Open-Air-Festival des Landes wegen des Unwetters unterbrochen.
(agenturen/schubeca/weis)







