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International

SVP-Plakate in Belgien kopiert

Andreas Freudig und Sabina Hübner
Freitag, 6. Juli 2012, 11:19 Uhr

Die SVP-Plakatkampagne zur Ausschaffungsinitiative aus dem Jahr 2010 hat ihren Weg nach Belgien gefunden. Die rechtspopulistische Partei Vlaams Belang macht Werbung mit in der Schweiz bekannten «Kriminellen». Die SVP spricht von Plagiat.

«Igor S., Einbrecher», heisst es derzeit auf belgischen Plakatwänden. Und weiter: «Hinter Gitter, kein Pardon!». Das Plakat ist Teil einer Kampagne der rechtspopulistischen Partei Vlaams Belang zu den Kommunalwahlen vom 14. Oktober. Thema der Kampagne: öffentliche Sicherheit.

Plakate einfach übernommen

Das Plakat ist praktisch identisch mit einem Plakat aus der Abstimmungskampagne zur Ausschaffungsinitiative. Damals hiess Igor S. zwar noch Ivan S. – und war Vergewaltiger statt Einbrecher – doch die Sujets sind identisch.

Zwei weitere «Verbrecher» werden von den Belgiern übernommen. Aus dem «Schweizer» Faruk B. (Mörder) wird nun Saïd I. (Räuber) und Ismir K. (Sozialbetrüger) heisst bei den Flamen Frans V. (Kinderschänder).

«Wieso sollen wir das nicht übernehmen?»

Alles geklaut? Vlaams Belang spricht von einem «informellen Ideenaustausch auf europäischer Ebene». Dies sei gang und gäbe. «Natürlich haben wir Kenntnis von anderen Kampagnen im Ausland», sagt Mediensprecher Joris Van Hauthem gegenüber «SF Online». «Und wenn wir eine Idee gut finden, und sehen, dass sie funktioniert – warum sollen wir diese dann nicht übernehmen?»

In Belgien sei das Thema Ausländerkriminalität aktuell, darum habe es in diesem Fall gepasst, so Van Hauthem. Die SVP habe man nicht gefragt, ob man die Idee übernehmen dürfe. «Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir solche Ideen übernehmen.» Auch beim französischen Front National habe man sich schon bedient, so Van Hauthem.

«Ein Plagiat ist kein Kavaliersdelikt»

Auch für die SVP ist es nichts Neues, dass ihre Kampagnen kopiert werden. So fanden bereits ihre Minarett-Sujets oder die Schäfchen-Plakate Verbreitung im Ausland. Dennoch ist SVP-Generalsekretär Martin Baltisser überrascht, als er von der Vlaams-Belang-Kampagne erfährt. «Niemand hatte Kenntnis von dieser Kampagne», erklärt Baltisser.

«Das ist ein Plagiat und kein Kavaliersdelikt», ärgert sich Baltisser. Die SVP-Agentur Goal, die für die Kampagne verantwortlich zeichnet, werde «eine Note absetzen». Goal-Geschäftsführer Alexander Segert selbst wollte sich hingegen nicht zu der Plakataktion in Belgien äussern.

Immer wieder in Europa auf Reisen ist SVP-Nationalrat Oskar Freysinger. Er war 2009 einmal zu Besuch bei Vlaams Belang. Von einem informellen Austausch will er aber nicht reden – es gebe nämlich «gar keine Kontakte», so Freysinger. Dass Vlaams Belang die SVP-Kampagne kopiert hat, stört ihn nicht: «Das ist ihr Problem, was sie in den anderen Ländern machen.»

Lizenzbedingungen beachtet?

Die Geschichte ist für Vlaams Belang noch nicht zu Ende. Denn: Die Kampagne hatte in der Schweiz nicht zuletzt deswegen für Diskussionen gesorgt, weil der Fotograf der Bilder und die kanadische Fotoagentur Istockphoto nichts von der politischen Verwendung wussten. Die Bilder sind Symbolbilder, die nicht als solche gekennzeichnet waren.

Die belgischen Ultranationalisten winken ab. Bisher habe man von dieser Seite noch keine Reaktionen erhalten. «Wir haben die Rechte gekauft und die Gesichter unkenntlich gemacht. Da sehen wir kein Problem.»

Die Agentur Istockphoto, die Anbieterin der Bilder, prüft nun, ob die Verwendung der Fotos mit den Lizenzbedingungen übereinstimmt. «Wir möchten uns jedoch zu einer laufenden Untersuchung nicht weitergehend äussern», heisst es von Seiten des Unternehmens.