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International

Erster Atomreaktor in Japan ist wieder in Betrieb

Donnerstag, 5. Juli 2012, 4:48 Uhr

Erstmals seit der Katastrophe in Fukushima vor gut 15 Monaten produziert Japan wieder Atomstrom. Damit soll den Strom-Engpässen im Sommer begegnet werden.

Der Reaktor 3 im Atomkraftwerk Oi habe um 7.00 Uhr Ortszeit wieder mit der Erzeugung von Strom begonnen, gab der Betreiberkonzern Kansai Electric bekannt.

Bild Reaktoren des Atomkraftwerks Ohi in Japan.
Soll nach Fukushima als erstes wieder ans Netz: Das Atomkraftwerk im westjapanischen Ohi. keystone

 Es ist das erste Mal seit der Atomkatastrophe infolge des Erdbebens und Tsunamis vom März 2011, dass Japan wieder einen Reaktor hochgefahren hat. Gegen diese Entscheidung der Regierung war es zu für Japan beispiellosen Anti-Atom-Demonstrationen gekommen. Bis zum GAU in Fukushima deckten AKW in Japan rund 30 Prozent des Strombedarfs. Zuletzt waren alle 50 Meiler abgeschaltet.

Angst vor Stromausfällen

Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen lehnten aus Sorge um die Sicherheit der Meiler ein Wiederanfahren der Reaktoren zunächst ab. Doch angesichts der wiederholten Warnungen der Atomindustrie und der Zentralregierung vor drohenden Stromausfällen in der Industrieregion Osaka gaben sie ihren Widerstand auf. Regierungschef Noda entschied daraufhin, die Reaktoren 3 und 4 im Kraftwerk Oi nach Sicherheitsüberprüfungen wieder anzufahren.

Man werde die Produktion im Reaktor 3 erhöhen und voraussichtlich ab kommenden Montag wieder mit voller Kapazität Strom erzeugen, hiess es. Reaktor 4 werde dann voraussichtlich am 18. Juli hochgefahren. Das Wiederanfahren des 1,18 Millionen-Kilowatt-Reaktors Nummer 3 wird den im Hochsommer bei Kansai Electric erwarteten Strommangel in der Region um die Industriestadt Osaka von 14,9 Prozent auf 9,2 Prozent verringern, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

 Die Erde bebt weiter

Kritiker warnen jedoch vor der Gefahr erneuter schwerer Erdbeben. Zudem seien die Ruinen des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi bis heute nicht unter Kontrolle. Die Regierung sei in der Lage, eine nochmalige Katastrophe wie in Fukushima zu verhindern, versicherte indes Regierungschef Noda. Kritiker bezweifeln das jedoch. Auch in der Bevölkerung wächst der Widerstand gegen die Atomkraft. Kurz vor dem Wiederanfahren des Reaktors im AKW Oi gingen mehr als 150'000 Menschen in der Hauptstadt Tokio auf die Strasse.

(sda/kunb)