International
Air-France-Absturz hauptsächlich wegen Pilotenfehler
Die Air-France-Flugzeugkatastrophe am Pfingstmontag 2009 ist nach dem abschliessenden Expertengutachten massgeblich durch Pilotenfehler verursacht worden, aber auch durch technische Fehler.
Bild
Wie die Ermittler der französischen Flugunfall-Untersuchungsbehörde BEA Le Bourget mitteilten, war die Crew nach einer Vereisung der Geschwindigkeits-Messsonden mit der eigentlich beherrschbaren Situation überfordert gewesen.
Fatal sei der Entscheid eines der Co-Piloten gewesen, die Nase des Flugzeugs während eines Strömungsabrisses (stall) nach oben zu ziehen statt nach unten zu drücken. Der Pilot habe sich dabei auf falsche Daten eines Flugzeugpositions-Sensors abgestützt.
Chef-Ermittler Alain Bouillard erklärte dazu, dass die beiden verantwortlichen Piloten in dieser Phase gar nie realisierten, dass sich ihr Flugzeug in einem «stall» befand. Laut Bouillard hätte eine erfahrene Crew mit einem klaren Verständnis der Situation die Möglichkeit gehabt, die Passagiermaschine wieder zu stabilisieren. Die Piloten der Air-France-Maschine hätten sich dagegen in einem Zustand nahezu «totalen Kontrollverlusts» befunden.
Piloten wird während ihrer Ausbildung von Beginn an gelehrt, im Falle eines Strömungsabrisses die Nase des Flugzeugs nach unten zu drücken und gleichzeitig die Geschwindigkeit zu erhöhen.
41 Empfehlungen für Verbesserungen
In ihrem Gutachten listen die Ermittler nicht weniger als 41 Empfehlungen an die Adresse von Airbus und Air France auf, um eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Dazu zählen eine verbesserte Pilotenschulung, aber auch Verbesserungen an den Anzeigen im Cockpit.
Die vereisungsanfälligen Sonden des Herstellers Thales wurden bereits kurz nach dem Absturz aus dem Verkehr gezogen.
Katastrophe kostete 228 Menschen das Leben
Die Air-France-Maschine war am 1. Juni 2009 auf einem Nachtflug von Rio nach Paris abgestürzt. Alle 228 Menschen an Bord kamen ums Leben.
Bei den Ermittlungen zur Absturzursache stützten sich die Experten der Luftfahrtermittlungsbehörde (BEA) vor allem auf die Auswertung der Flugdatenschreiber. Sie waren im Frühjahr des vergangenen Jahres nach mehreren vergeblichen Suchaktionen aus rund 4000 Metern Tiefe geborgen worden.
Justiz ermittelt noch immer
BEA-Chef Jean-Paul Troadec betonte zur Vorstellung des Abschlussberichts, dass seine Behörde nicht die Aufgabe gehabt habe, die Verantwortlichen zu benennen. Dies sei Sache der Justiz. Sie ermittelt bereits seit langem in dem Fall, hat allerdings bislang kein Anklageverfahren eingeleitet.
Angehörige verweisen auf Mitschuld der Industrie
Angehörige der Absturz-Opfer zeigten nach der Vorstellung des Berichts ein gewisses Verständnis für die Piloten. Sie hätten in einer schwierigen Situation mit schlechten Instrumenten zu kämpfen gehabt und mit einer Reihe von nicht mehr funktionierenden Warnsignalen.
Gleichzeitig bezeichneten sie den Bericht als «zu soft» in Bezug auf die Mitverantwortung der Airline-Industrie. So habe man lange vor dem Absturz von Problemen mit den Geschwindigkeits-Sensoren gewusst, aber bis zum Unglück die Geräte nicht systematisch ausgetauscht. Robert Soulas, Sprecher einer Angehörigen-Vereinigung der Absturzopfer, kündigte an, bei der laufenden Strafuntersuchung wegen Totschlags gegen Airbus und Air France immer wieder auf diesen Punkt hinzuweisen.
(reuters/dpa/vaid;mihm)







