Wirtschaft
Zinsskandal: Barclays beschuldigt Zentralbank
Der Streit um Manipulationen beim Libor-Zinssatz in der Londoner City weitet sich auf staatliche Stellen aus. Barclays legte Unterlagen vor, die aufzeigen sollen, dass die Zentralbank von künstlich nach unten regulierten Zinssätzen gewusst hatte.
Die Unterlagen wurden just vor dem Auftritt des zurückgetretenen Barclays-Chefs Bob Diamond vor dem Finanzausschuss des Parlaments publik gemacht.
In den Unterlagen heisst es, dass der stellvertretende Zentralbankchef Paul Tucker am 28. Oktober 2008 per Telefon eine Empfehlung des damals Labour-geführten Finanzministeriums an Diamond weitergegeben hat. Diamond war damals Chef des Investmentbankings. Demnach soll Tucker gesagt haben: «...es muss nicht immer der Fall sein, dass wir so hoch erscheinen, wie wir das bisher waren...». Vom Tag des Gesprächs an fiel der Liborsatz rapide.
Mit Spannung wird erwartet, ob Diamond bei der Anhörung im Finanzausschuss weitere Vorwürfe gegen die damalige Regierung von Premierminister Gordon Brown und gegen die Zentralbank erhebt.
Ermittlungen gegen mehrere Grossbanken
Der Skandal um die Zinsmanipulation hat auch Vorstandsmitglied Jerry del Missier den Job gekostet. Neben Barclays sind auch weitere Banken aus Europa, USA und Asien im Visier der Aufsichtsbehörden, darunter auch die UBS und die Credit Suisse.
Den Kreditinstituten wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Zinssatz Libor und andere Marktzinsen mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen.
Cameron gegen hohe Abfindung
Insgesamt sind seit Montag drei Top-Manager von Barclays wegen des Skandals zurückgetreten. Der britische Premierminister David Cameron sprach sich derweil gegen hohe Abfindungen für Bankmanager aus, die wegen des Skandals um die Manipulation von Marktzinsen zurückgetreten sind.
«Ich denke, es wäre absolut falsch, Leuten, die unter diesen Umständen gegangen sind, grosse Abfindungen zu zahlen», sagte Cameron. Die Zahlung grosser Summen wäre der britischen Öffentlichkeit nicht zu vermitteln und auch nicht richtig.
(agenturen/bers;maiu)







