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Drama am Lagginhorn: Rätseln über Ursache

Mittwoch, 4. Juli 2012, 18:16 Uhr, Aktualisiert 20:42 Uhr

Nach wie vor ist unklar, weshalb die fünf deutschen Bergsteiger am Lagginhorn im Wallis zu Tode gestürzt sind. Nur ein Bergsteiger hatte das Unglück überlebt: Er musste hilflos mitansehen, wie zwei Kinder von ihm in die Tiefe stürzten.

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Die Walliser Polizei geht bei der Rekonstruktion der Ereignisse derzeit von zwei Hypothesen aus, wie Sprecher Renato Kalbermatten sagte. Entweder sei der Schnee so glatt gewesen, dass einer der Alpinisten ausgerutscht sei und die anderen mitgerissen habe – «oder der Untergrund hat nachgegeben», sagte Kalbermatten.

Laut Arthur Anthamatten, Hüttenwart der Weissmieshütte und eidgenössisch diplomierter Bergsteiger, gilt das Lagginhorn unter Alpinisten als einer der «einfacheren» Berge über 4 000 Meter Höhe. Die Wetterbedingungen seien am Dienstag gut gewesen, sagte Anthamatten. Er hat das Lagginhorn über 50 Mal bestiegen – immer angeseilt. Die abgestürzte Fünfergruppe war nach Polizeiangaben nicht angeseilt.

Bild Das Lagginhorn und die Route (rot), die die sechs Bergsteiger genommen haben.
Das Lagginhorn und die Route (rot), die die sechs Bergsteiger genommen haben. sf

Normale Lawinenverhältnisse

Anthamatten war am Dienstag selber zwar nicht in der Hütte, er hätte aber kein Bedenken gehabt, an diesem Tag den Lagginhorngipfel zu besteigen, sagte er. Unklar sei jedoch, welche Auswirkungen die Regenfälle vom Vortag auf den Schnee gehabt hätten. «Gut möglich, dass es gar ein wenig geschneit hat».

Thomas Stucki, Lawinenprognostiker beim WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos (GR), kann keine genauen Angaben zu den Schneeverhältnissen am Lagginhorn machen. Grundsätzlich sei die Situation normal, «das heisst so, wie man sie zu dieser Jahreszeit erwarten kann». «Ob die Verhältnisse am Lagginhorn gefährlich sind, kann man nur vor Ort beurteilen.»

Angehörige reisen ins Wallis

Die fünf Bergsteiger, die am Dienstag gegen 13 Uhr am Lagginhorn ums Leben gekommen sind, sind alle deutsche Staatsangehörige. Unter den Opfern befinden sich die beiden Kinder des einzigen überlebenden Mannes: die 14jährige Tochter und der 19jährige Sohn. Ums Leben gekommen sind ausserdem ein 43jähriger Mann mit seinem 16jährigen Sohn sowie der 20jähriger Kollege der Kinder.

Wallis: Bergsteiger waren Deutsche. (Tagesschau, 04.07.2012, 19.30)

Die Opfer stammen aus Berlin sowie aus den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Die Sechsergruppe war am Dienstagmorgen früh gegen fünf Uhr von der Weissmieshütte aufgebrochen, um das 4010 Meter hohe Lagginhorn zu besteigen. Wegen Unwohlseins blieb einer der Bergsteiger rund 100 Meter unterhalb des Gipfels zurück. Die anderen setzten ihren Weg fort.

Gegen 13 Uhr begannen die fünf Bergsteiger mit dem Abstieg. Kurz nachdem sie den Gipfel verlassen hatten, stürzten sie in die Tiefe. Der zurückgebliebene Bergsteiger alarmierte sofort die Walliser Rettungsorganisation. Das Rettungsteam konnte jedoch nur noch den Tod der fünf Alpinisten feststellen.

Laut Polizeisprecher Kalbermatten reisen die Familienangehörigen der Opfer ins Wallis. Dann werde man zusammen mit der deutschen Botschaft und den Behörden entscheiden, wie es weiter gehe.

48 Viertausender in der Schweiz

Der Lagginhorngipfel liegt im Saas-Tal, rund zehn Kilometer von der italienischen Grenze entfernt. Er ist laut dem Schweizer Alpen Club SAC einer von insgesamt 48 Bergen in der Schweiz, die mindestens 4000 Meter hoch sind.

Der Unfall am Lagginhorn ist der schlimmste Bergunfall in der Schweiz in diesem Jahr. Im vergangenen Jahr kamen in der Schweiz beim Bergsteigen oder Bergwandern 151 Menschen bei 135 Unfällen ums Leben. 29 davon waren ausländische Staatsangehörige.

(sda/vaid; hurg)