Vermischtes
Cern womöglich vor Jahrhundert-Entdeckung
Mit Spannung schaut die Wissenschaftswelt auf das europäische Kernforschungszentrum Cern in Genf. Forscher der beiden Cern-Experimente CMS und Atlas äussern sich dort zur Stunde zum Elementarteilchen Higgs-Boson – und bestätigen möglicherweise die Existenz des sogenannten «Gottesteilchen».
Der Nachweis von Higgs-Bosonen wäre eine wissenschaftliche Sensation, sagte einer der Entdecker des Higgs Mechanismus, der Belgier François Englert, gegenüber der belgischen Nachrichtenagentur Belga. Er würde die Richtigkeit des gültigen Standardmodells der Elementarteilchen-Physik beweisen, auf dem «die gesamte Physik seit Beginn des 20. Jahrhunderts basiert».
«Wir haben jetzt doppelt so viele Daten wie vor einem Jahr», sagte im Vorfeld der Cern-Direktor für Forschung und Datenverarbeitung, Sergio Bertolucci, in einer Mitteilung des Cern. «Sie sollten ausreichen, um zu erkennen, ob die Trends, die wir 2011 gesehen haben, immer noch da sind oder ob sie verschwunden sind.»
Experimente in mehreren Forschungszentren
Im vergangenen Dezember hatten die Daten von zwei Teams ergeben, dass sich die Spuren des Higgs-Teilchens bei einer Masse von rund 125 Gigaelektronenvolt (GeV) konzentrieren. Laut der Forscher lag die Fehlermarge nur noch bei einem Prozent. Doch reiche dies nicht aus, um die Existenz des Higgs-Bosons wissenschaftlich einwandfrei nachzuweisen.
Derweil erklärten Wissenschaftler des Forschungszentrums Fermilab im US-Bundesstaat Illinois, sie stünden bei der Higgs-Suche kurz vor dem Durchbruch. Sie stützen sich dabei auf Daten des inzwischen stillgelegten Tevatron-Beschleunigers. Gemäss einer Sprecherin des Cern könne man allerdings auf Basis der bislang am Fermilab zusammengetragenen Statistiken ebenfalls noch «keine Entdeckung ableiten».
Aussage über Sein oder Nicht-Sein
Doch selbst wenn die Cern-Forscher der Welt diesmal die Entdeckung eines neuen Elementarteilchens präsentieren, müsste erst noch zweifelsfrei bestätigt werden, worum es sich handelt. Ob es das – wegen seiner universellen Bedeutung – als «Gottesteilchen» bezeichnete Higgs-Boson ist, oder möglicherweise «ein noch exotischeres Teilchen, das die Tür zu einer neuen Physik aufstossen würde», wie es in der Cern-Ankündigung heisst.
Mit dem sogenannten Higgs-Mechanismus wird seit 1964 im Standardmodell der Elementarteilchen-Physik erklärt, wie die Teilchen – also die Grundbausteine der Materie – ihre Masse erhalten. Higgs-Bosonen, wenn sie denn existieren, wären ein Produkt dieses Mechanismus.
Die Suche nach dem Higgs-Teilchen gehört zu den zentralen Aufgaben des LHC-Teilchenbeschleunigers. Dort prallen mehr als hundert Meter unter der Erde Protonen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aufeinander. Aus den Spuren, die sich nach den Protonen-Kollisionen messen lassen, könnte das Higgs-Boson nachgewiesen werden.
(sda/bers;maiu)



