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Arafat: Hohe Radioaktivitäts-Werte an Zahnbürste
In der Nacht zum 28. Oktober 2004 verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Jassir Arafat massiv. Am 11. November war er tot. Ursache könnte eine radioaktive Vergiftung sein. Der Direktor eines Lausanner Instituts, welches Arafats Kleider analysierte, nimmt Stellung.
Durchgeführt hat die Untersuchung das Institut für Strahlenphysik (IRA) des Centre Hospitalier Universitaire Vaudois. Sie testeten Kleidungsstücke und Gegenstände, die Arafat benutzt oder bei sich getragen hatte, auf verschiedene Arten von Radioaktivität.
Nach Angaben von Arafats Witwe Suha waren die Gegenstände in einem sicheren Raum im Büro ihres Anwalts in Paris untergebracht, bevor sie die Schweizer Wissenschaftler Anfang des Jahres mit der Untersuchung beauftragte.
Polonium-210 - wie im Fall Litwinenko
Gefunden wurde nicht viel – aber das, was die Lausanner Spezialisten entdeckten, lässt aufhorchen. Sie fanden Polonium-210, und zwar in einer Menge, die sich nicht einfach so erklären lässt, wie François Bochud, Direktor des IRA, im Westschweizer Fernsehen erklärt.
Polonium-210 ist spätestens seit dem Jahr 2006 auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Damals starb der ehemalige russische Geheimdienstagent Alexander Litwinenko innert kürzester Zeit einen qualvollen Tod. Er, einst Offizier des Inlandgeheimdienstes FSB, hatte sich gegen Wladimir Putin gestellt. Auf dem Sterbebett beschuldigte er den Kreml, ihn zum Schweigen gebracht zu haben.
In Litwinenkos Urin wurden kurz vor seinem Tod grosse Mengen an Polonium-210 gefunden. Ein Ermittlungsbericht kam später zum Schluss, dass ihm die Substanz mit grosser Wahrscheinlichkeit am 1. Oktober 2006 in einer Londoner Bar in den Tee gemischt worden war.
«Höhere Menge an Unterwäsche und Zahnbürste»
Wurde Jassir Arafat vergiftet? Eine Antwort auf diese Frage lassen die Analysen in Lausanne nicht zu, wie Bochud weiter sagte. Man könne es nicht bestätigen, aber auch nicht ausschliessen.
Auf Auffälligkeiten sind die Experten vom IRA aber dennoch gestossen. So war die Menge an Radioaktivität in denjenigen Proben grösser, die in Kontakt mit Körperflüssigkeiten kamen – Unterwäsche etwa oder eine Zahnbürste. Bochud: «Bei anderen untersuchten Objekten, die Herr Arafat nicht getragen hat (etwa saubere Unterwäsche), fanden wir dagegen tendenziell eine geringere Polonium-Konzentration.»
Einzige Möglichkeit: Exhumierung
Das Institut hatte bei seinem Analysen mit einem gewichtigen Faktor zu kämpfen: Zeit. Denn je mehr Zeit verstreicht, desto geringer wird die Aktivität eines so genannten Radionuklids. Im Fall von Polonium-210 ist jeweils nach 138 Tagen nur noch die Hälfte dessen messbar, was vorher vorhanden war, betont Bochud: «Selbst wenn Arafat vergiftet wurde, heisst das: Die Radioaktivität ist etwa eine Million Mal geringer, als sie es vor acht Jahren war.» Für ihn und das IRA sei es mehr die Gesamtschau, «die uns denken lässt, dass hier etwas Sonderbares vorliegt, das weiter zu untersuchen sich lohnt.»
Um herauszufinden, ob Arafat tatsächlich vergiftet wurde, gebe es nur eine Möglichkeit, die Untersuchung des Leichnams: « Wenn Arafat vergiftet wurde, ist es sehr wahrscheinlich, dass man dort dann noch ziemlich hohe Radioaktivitätswerte messen würde. Aber sicher ist auch das nicht. Auch dort ist die Strahlung eine Million Mal schwächer geworden.»
Zudem setze sich Polonium zwar in allen Geweben ab, aber nicht im Knochen, wie etwa Plutonium, erklärt Bochud. Es sei deshalb auch schwerer, Polonium-210 in einem Leichnam nachzuweisen, der bereits stark zersetzt ist.
Und schliesslich: «Wenn man lange genug wartet, findet man irgendwann gar nichts mehr.»
(sf/schl;)






