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International

Zins-Manipulationen: Britische Banker vor Ausschuss zitiert

Sonntag, 1. Juli 2012, 21:52 Uhr

Im Skandal um Zins-Manipulationen will die britische Regierung Top-Banker vor einem Parlamentsausschuss zur Rede stellen. Bei der Royal Bank of Scotland sollen derweil schon erste Konsequenzen gezogen und Mitarbeiter entlassen worden sein.

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Grossbritannien lässt einen der Chefs seiner Skandalbanken vor einem Ausschuss des Parlaments auftreten. Unter anderem soll Barclays-Chef Bob Diamond in der kommenden Woche vor dem Komitee Rede und Antwort stehen, wie mehrere Medien am Wochenende übereinstimmend berichteten. Themen sollen neben dem sogenannten Liborzinssatz mögliche strafrechtliche Sanktionen sein, hiess es.

In den seit Monaten laufenden Untersuchungen – unter anderem in den USA, Großbritannien und der Schweiz – geht es um den Vorwurf der Manipulationen des weltweit gültigen Interbanken-Zinssatzes Libor. Dieser täglich in London fixierte Satz dient als Referenz für Kredite von Privatleuten und Unternehmen, Derivate sowie andere Finanzprodukte im Gesamtvolumen von 360 Billionen Dollar. Er basiert auf den Daten mehrerer Großbanken, die diese täglich abliefern.

Den Instituten wird nun vorgeworfen, dass sie von 2005 bis 2009 absichtlich falsche Angaben gemacht haben, um die eigenen Handelsgewinne in die Höhe zu treiben und die wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern.

432-Millionen-Busse für Barclays

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass die britische Barclays an die Finanzaufsichtsbehörden in den USA und Grossbritannien sowie an das US-Justizministerium eine Strafe in Höhe der Rekordsumme von 290 Millionen Pfund (rund 432 Mio. Franken) zahlen muss. In einer Mitteilung auf der Internetseite der britischen Aufsicht FSA war unter anderem von Fällen in den Jahren 2005 bis 2008 die Rede.

Auch die Royal Bank of Scotland (RBS), die grösstenteils verstaatlich ist, steht unter Verdacht. Am Sonntag berichteten Medien, bei RBS seien bereits Ende 2011 Händler wegen Verwicklung in den Fall entlassen worden. Im Visier der Ermittler stehen zudem mehrere Grossbanken in Europa und den USA.

Aktionäre sollen Banker an die Kandare nehmen

Zahlreiche Politiker und Wirtschaftsexperten hatten in den vergangenen Tagen Untersuchungen des Falles gefordert. Auch war Diamond zum Rücktritt aufgerufen worden. Am Sonntag ermutigte der britische Wirtschaftsminister Vince Cable Aktionäre bei britischen Banken, die Vorstände stärker an die Kandare zu nehmen und «systematischen Missbrauch» zu stoppen. Die Spitzen führender britischer Banken hätten sich als schwach erwiesen, schrieb Cable in einem Artikel für die Zeitung «Observer». Niemand wolle die Verantwortung übernehmen.

Der Labour-Vorsitzende Ed Miliband rief die Regierung dazu auf, eine umfassende öffentliche Untersuchung des Verhaltens von Händlern und Banken allgemein ins Leben zu rufen – vergleichbar mit der Leveson-Untersuchung zum Fehlverhalten bei Medien und Presse. «Einzelne Pflaster werden diese Wunde nicht heilen», erklärte Miliband.

(dpa/vaid)