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International

Überlingen gedenkt der Flugzeugtragödie

Sonntag, 1. Juli 2012, 19:08 Uhr

Mit einem Gottesdienst haben die Gedenkfeiern für die Opfer der Flugzeugkatastrophe von Überlingen begonnen. Für Unruhe sorgte die Anwesenheit des «Fluglotsenmörders» Witali Kalojew, der bei dem Unglück vor 10 Jahren Frau und Kinder verloren hatte.

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Zehn Jahre nach dem Unglück, bei dem 71 Menschen ums Leben kamen, sei ein Stück Normalität eingekehrt, sagte Pfarrer Meinrad Huber im Owinger Ortsteil Taisersdorf (Bodenseekreis). «Aber die stille Solidarität darf nicht enden.»

Die schlichte Feier besuchten vor allem Angehörige und Freunde der beiden Piloten der Frachtmaschine, die aus England und Kanada stammten. Über Owingen waren vor allem Trümmerteile der DHL-Maschine niedergegangen. «Ich möchte einfach hier sein», sagte ein Kollege aus Brüssel. «Wir versuchen jedes Jahr zu kommen.»

Die Angehörigen der russischen Opfer werden am Abend zu einer Gedenkfeier in Überlingen erwartet.

Simultane Trauerfeier in Russland

Der baschkirische Vize-Regierungschef Fidus Jamaldinow dankte den Deutschen für ihre Anteilnahme. «Sie pflegen das Andenken an unsere Kinder, kümmern sich um das Denkmal und um den von den Eltern angelegten Garten», sagte er. Auch auf einem Friedhof der baschkirischen Hauptstadt Ufa fände derzeit an den Kindergräbern eine Trauerfeier statt.

Baden-Württembergs Landesminister Peter Friedrich sprach den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus. «Noch immer sind Trauer und Schmerz spürbar. Noch immer sind Leid und Fassungslosigkeit gegenwärtig», sagte er. «Aber aus Trauer, Leid und Schmerz kann auch Neues wachsen.»

Es hätten sich in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Kontakte zwischen Menschen aus Baden-Württemberg und Baschkirien entwickelt. «Daraus sind Freundschaften entstanden, die bis heute halten.»

Anreise des Fluglotsenmörders irritiert

Für Unmut sorgte die Anreise des als «Fluglotsenmörder» bekannt gewordenen Witali Kalojew. Er hatte bei dem Unglück seine beiden Kinder und seine Frau verloren und zwei Jahre danach den dienstleitenden Fluglotsen erstochen. In seiner Heimat wurde Kalojew nach seiner vorzeitigen Haftentlassung begeistert empfangen und zum stellvertretenden Bauminister ernannt.

Bild Kalojew bei Empfang nach Rückkehr aus Haft in der Schweiz
Nach Bluttat und vorzeitiger Haftentlassung in Nordossetien wie ein Volksheld gefeiert: Witali Kalojew. archiv / keystone

Kalojews Anwesenheit werfe einen Schatten auf die Gedenkfeier, sagte Landesminister Peter Friedrich: «Die Veranstaltung dient dem Gedenken und der Begegnung. Ich hoffe, dies wird nicht durch die Diskussion um Herrn Kalojew überlagert.»

Kalojew selbst verteidigte in einem Interview seinen Besuch. «Ich wollte doch nur den Ort des Absturzes besuchen, wo meine Frau und meine Kinder gestorben sind, Blumen niederlegen. Und mich mit denjenigen Leuten treffen, die mir in den Tagen der Tragödie geholfen haben.»

(sda/dpa/falt)