Schweiz
Neue Kampfjets: Schweden könnten Gripen kippen
Selbst wenn in der Schweiz Parlament und Volk den Kauf von 22 Gripen-Flugzeugen gutheissen würden: Ob das Flugzeug je entwickelt wird, darüber entscheidet faktisch das schwedische Parlament. Ausgang: ungewiss.
Bild
Auch Schweden braucht neue Kampfflugzeuge. 60 bis 80 neue noch zu entwickelnde Gripen-Kampfjets vom Typ E/F stehen auf dem Einkaufszettel der schwedischen Streitkräfte. Es wären dieselben Jets, die auch der Schweizer Bundesrat bestellen möchte: 22 Stück zum Gesamtpreis von 3,1 Mrd. Franken.
Ob das schwedische Parlament den Gripen-Kauf im Dezember bewilligen wird, ist aber angesichts des herrschenden Spardrucks ungewisser denn je. Fakt ist: Falls das schwedische Parlament Nein sagt zum Kauf, dann wird der schwedische Hersteller Saab das neue Flugzeug nicht entwickeln. Dies deutete Lennart Sindahl, der Chef der Saab-Flugzeugabteilung, in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen (SF) an.
Für die Schweiz wäre das Gripen-Projekt in einem solchen Fall erledigt: Das Verteidigungsdepartement (VBS) müsste nach einem neuen Kampfjet Ausschau halten. Es begänne alles wieder von vorn.
Nein Schwedens eher unwahrscheinlich
Die Wahrscheinlichkeit eines Neins des schwedischen Parlaments hält Sindahl allerdings für «sehr klein». Das Konzernleitungsmitglied von Saab räumt allerdings ein, dass in einem solchen Fall der neue Gripen-Typ kaum entwickelt würde: «Niemand entwickelt Kampfflugzeuge auf eigenes Risiko.» Es sei denn, anstelle der schwedischen Streitkräfte würde sich ein neuer Grosskunde finden – zusätzlich zur Schweiz.
Doch dann entstünde ein neues Problem: Denn die Schweiz hat bei der Evaluation des neuen Kampfflugzeugs zur Bedingung gemacht, dass der neue Flieger zum Zeitpunkt der Auslieferung bei den schwedischen Streitkräften bereits im Einsatz stehen muss.
Keine zusätzlichen Entwicklungskosten
Sindahl bekräftigte in dem Interview, dass Saab mit der Schweiz für die 22 Gripen einen Fixpreis vereinbart hat. Unter welchen Umständen auch immer der neue Gripen entwickelt würde: «Es gibt für die Schweiz kein Risiko, dass zusätzliche Entwicklungskosten hinzukommen.»
Ausser Zweifel steht dies auch für Bundesrat Ueli Maurer. Im Interview mit «10vor10» gibt sich der Verteidigungsminister überzeugt, «[...] dass wir das Flugzeug so werden beschaffen können.»
Für Maurer sind das gezielte Versuche, im Umfeld des Geschäfts Gerüchte zu streuen, wie er für «10vor10» in Bern zu Protokoll gegeben hat. Maurer befürchtet keine Überraschungen aus dem Schwedischen Parlament, da auch in Schweden der Druck zur Erneuerung der Luftwaffe ähnlich evident sei, wie in der Schweiz.
Auch die Möglichkeit, dass Schweden aus Spargründen ihre jetzigen Flugzeuge einfach länger im Einsatz lassen könnte und damit der Deal platzen würde, weist Maurer nach seinem Zusammentreffen mit seiner schwedischen Amtskollegin Karin Enström zurück.
(sf/vaid/from;godc)






