Schweiz
Zweite Röhre am Gotthard: Gegner drohen mit Referendum
Die SP Schweiz will den Bau einer zweiten Gotthard-Röhre mit einem Referendum verhindern. Der Entscheid des Bundesrats sei «höchst fragwürdig» und «irrational», halten die Gegner fest. Befürworter jedoch sprechen von einem Sieg für die Sicherheit.
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Die Schweiz habe Milliarden von Franken in die Neat investiert, um die Verlagerung auf die Schiene zu forcieren, schreibt die SP in einer Stellungnahme. Der Ausbau der Strassenkapazitäten am Gotthard würde diesen Investitionen zuwider laufen. Auch der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) will den Entscheid des Bundesrates bekämpfen.
Beschämend sei insbesondere, dass der Bundesrat der Bevölkerung einen Bären aufzubinden versuche. Es wäre blauäugig zu glauben, die beiden Röhren würden nach der Sanierung des alten Tunnels dauerhaft nur einspurig befahren, schreibt der VCS in einer Mitteilung.
Begrüsst wurde der Bundesratsentscheid hingegen vom Schweizerischen Nutzfahrzeugverband Astag. Im Interesse der Sicherheit sei es zwingend notwendig, dass zuerst eine zweite Röhre gebaut werde. Alle anderen Varianten mit einer Total- oder Teilsperrung seien «völlig illusorisch» und würde zu grossen volkswirtschaftlichen Schäden führen.
In ähnlichem Sinne äusserte sich der Automobil Club der Schweiz (ACS). Der ACS begrüsse insbesondere auch den mit einer zweiten Röhre zu erzielenden «Quantensprung in Sachen Sicherheit», heisst es in einer Mitteilung. Gemessen an den Verkehrsleistungen weise der doppelspurige, nicht richtungsgetrennte Gotthard-Strassentunnel heute das grösste Unfallrisiko bzw. Gefahrenpotenzial aller Schweizer Nationalstrassentunnels auf.
Auch als Anlagemöglichkeit
Erfreut über den Entscheid des Bundesrates zeigte sich auch der Verband des Strasssenverkehrs FRS. «Mit ihrem weitsichtigen Entscheid gesteht die Landesregierung ein, dass eine Voll- bzw. Teilsperrung des bestehenden Tunnels während mehreren Jahren der Schweizer Bevölkerung und Wirtschaft sowie insbesondere dem Kanton Tessin nicht zugemutet werden kann», schrieb der Verband in einer Mitteilung. Nun sei die Planung, Projektierung und Realisierung einer zweiten Tunnelröhre so rasch als möglich in Angriff zu nehmen.
Auch der Verband der Schweizer Unternehmen, Economiesuisse, begrüsst eine zweite Röhre durch den Gotthard betont aber: «Um den finanziellen Spielraum für die täglich akuten Engpässe in den Agglomerationen zu erhöhen, ist allerdings eine zweite Röhre mittels einer öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) zu bauen, zu finanzieren und zu betreiben.
«Dieses Modell sei laut einer Studie machbar und ökonomisch sinnvoll.» Während die Mittel der öffentlichen Hand dadurch geschont werden, finden institutionelle Anleger wie z.B. Pensionskassen eine sichere Anlagemöglichkeit auf Schweizer Boden vor», schreibt Economiesuisse in einer Mitteilung.
Sanierung ohne zweite Röhre machbar
Nicht erfreut über die Ankündigung aus dem Bundeshaus zeigte sich die Alpeninitiative. Sie hält in einer Mitteilung fest: «Der Entscheid des Bundesrates für eine zweite Gotthardtunnelröhre ist irrational. Alle Studien der zuständigen Ämter zeigen, dass eine Sanierung ohne zweite Röhre machbar und kostengünstiger ist als der vorgängige Bau einer zweiten Röhre.» Zudem seien in den Agglomerationen viel dringendere Verkehrsprobleme zu lösen, für die heute das Geld fehle.
Weiter betonte die Alpeninitiative, dass der Bau einer zweiten Röhre gar nicht rechtzeitig vor einer Sanierung in Betrieb gehen könne. Der Bundesrat rechne mit einer Realisierungszeit von 15 bis 22 Jahren. Spätestens 2025 aber müsse der Tunnel saniert sein. Weiter bemängelt die Alpeninitiative, dass mit dem Bau einer zweiten Röhre nicht nur die Strassenkasse übermässig belastet werde, sondern auch eine Milliarde Franken mehr investiert werden müsse, als «nötig».

Tessin zufrieden – Uri enttäuscht
«Sehr zufrieden» über die Ankündigung des Bundesrates zum Bau einer zweiten Gotthardröhre ist die Tessiner Kantonsregierung. Der Ruf des Tessins, nicht isoliert zu werden, sei in Bern gehört worden. Nicht gehört fühlen sich dagegen die Urner. Hier mehr.
(sda/kunb;hues)






