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Schweiz

Weniger Gripen-Gegengeschäfte als erwartet?

Mittwoch, 27. Juni 2012, 21:32 Uhr

Bei der Anschaffung des Kampfjets Gripen könnten für die Schweizer Wirtschaft deutlich weniger Gegengeschäfte anfallen als erhofft. Dies zeigen vertrauliche Unterlagen, in welche die «Rundschau» Einsicht hatte. Schätzungen gehen von nur 400 Millionen Franken aus.

Der Kampfjet-Bazar (Rundschau, 27.06.2012)

Der Kauf der Gripen-Kampfjets sei lukrativ für die Schweiz, sagt der schwedische Hersteller Saab. Für vermutlich über 2 Milliarden Franken dürften die Schweizer Rüstungsfirmen Aufträge aus Schweden entgegennehmen und entsprechend Waren liefern. Solche Kompensations- oder auch Gegengeschäfte sind üblich und haben Einfluss auf den Typenentscheid.

Erhoffte 1,7 Milliarden Franken

Ein vertrauliches Gesprächsprotokoll der sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats zeigt nun aber, dass selbst Armasuisse, die für die Beschaffung von Rüstungsgüter zuständig ist, nur von rund 400 Millionen Franken Geschäftsvolumen für die Schweizer Wirtschaft ausgeht. Deutlich weniger als die einst erwarteten 1,7 Milliarden.

Mit einer Milliarde Franken fällt der Grossteil des versprochenen Betrags an die bundeseigene Ruag, schätzten Vertreter von Armasuisse. Etwa 600 Millionen Franken könnten an die Pilatus-Werke gehen. Für die restliche Schweizer Industrie blieben dann nur 400 Millionen Franken.

Die «Rundschau» konfrontierte Armasuisse mit diesen Zahlen. Diese seien reine Spekulation, erklärte Armasuisse-Anwalt Per Magnus Larsson. Das wahre Ausmass könne noch nicht klar definiert werden. Laut dem Gedächtnisprotokoll zeigen sich Armasuisse-Experten indes enttäuscht: Saab mache generell zu wenig für den Deal in der Schweiz.

Nutzen von Gegengeschäften angezweifelt

Der Ökonom und Buchautor Andrew Feinstein recherchiert in London seit Jahren über Waffengeschäfte. Er zweifelt generell am volkswirtschaftlichen Nutzen der Gegengeschäfte – auch für die Schweiz: «Es hat noch nie eine Fall gegeben, bei dem die Verpflichtungen für Gegengeschäfte eingehalten wurden. Vielleicht eher in höher entwickelten Ländern, weil es da mehr Gesetze gibt. Aber auch dort gibt es nie das, was versprochen wird.»

Am Dienstag trafen sich im Stade de Suisse in Bern Vertreter der Schweizer Wirtschaft mit Saab und Zulieferfirmen zur Besprechung von möglichen Gegengeschäften. Anwesend waren über 170 Unternehmen, die sich Aufträge erhoffen – obwohl noch gar nicht klar ist, ob die Schweiz den Gripen überhaupt anschafft.

(sf/buet; bers)