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Schweiz

Gotthard-Entscheid: Tessin zufrieden – Uri enttäuscht

Mittwoch, 27. Juni 2012, 19:27 Uhr, Aktualisiert 20:20 Uhr

«Sehr zufrieden» über die Ankündigung des Bundesrates zum Bau einer zweiten Gotthardröhre ist die Tessiner Kantonsregierung. Der Ruf des Tessins, nicht isoliert zu werden, sei in Bern gehört worden. Nicht gehört fühlen sich dagegen die Urner.

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Freude im Tessin – Enttäuschung in Uri (Tagesschau, 27.06.2012)

Nach Ansicht der Urner Regierung setzt der Bundesrat ein falsches Zeichen. Es sei ein Dämpfer für die angestrebte Verlagerung des Schwerverkehrs von der Strasse auf die Schiene. Zudem bestehe die Gefahr, dass man nun in Europa nicht mehr auf die Neat setze, sagte Baudirektor Markus Züst. Der Entscheid widerspreche auch klar der Meinung des Urner Volkes.

Positiv wertet Züst, dass der Bundesrat weiterhin an der Verlagerung auf die Schiene festhält. Und, dass er ein Gesetz in Aussicht stellt, mit dem eine Kapazitätserhöhung verhindert werden soll. Das töne gut, so Züst. Allerdings bestehe die Gefahr, dass die vier Spuren dann halt doch einmal genutzt werden.

Die Urner Regierung wolle vorerst die Gesetzgebung abwarten, sagte Züst weiter. Und dann werde das Volk darüber entscheiden müssen. Das werde frühestens 2015 der Fall sein. Bis dahin werde noch viel Wasser die Reuss hinunter fliessen.

Tessiner ernten «Früchte»

Glücklich über das Ja zu einer zweiten Gotthard-Röhre zeigen sich die Tessiner. «Unsere Reaktion auf die im Dezember 2010 erfolgte Ankündigung einer eventuellen Totalschliessung des Gotthardtunnels zwecks Sanierung und die darauf folgenden entschiedenen Interventionen haben schliesslich Früchte getragen», sagte Regierungspräsident Marco Borradori in Bellinzona an einer Medienkonferenz.

sf

Gegner drohen mit Referendum

Die SP Schweiz will den Bau einer zweiten Gotthard-Röhre mit einem Referendum verhindern. Der Entscheid des Bundesrats sei «höchst fragwürdig» und «irrational», halten die Gegner fest. Befürworter jedoch sprechen von einem Sieg für die Sicherheit. Hier mehr.

Man habe alles in Bewegung gesetzt, mit Unterstützung der Tessiner Abgeordneten in den eidgenössischen Räten, um den Bundesrat zu überzeugen, seine Meinung zu ändern. Der nationale Zusammenhalt könnte Schaden erleiden, wenn das Tessin während drei Jahren von der übrigen Schweiz abgeschnitten wäre.

Eine zweite Röhre sei «das Logischste», erklärten die Staatsräte Paolo Beltraminelli und Laura Sadis. Borradori versicherte, die Tessiner Regierung werde weiterhin den Gütertransport auf der Schiene fördern und sich gegen eine Erhöhung der Strassenkapazität am Gotthard wehren.

Bundesrat will zweite Gotthard-Röhre

Der Bundesrat hat seine Meinung geändert: Die Landesregierung will am Gotthard eine 2. Röhre für den Strassentunnel bauen. Die Kapazität der Gotthard-Autobahn soll aber nicht erhöht werden. Das letzte Wort wird 2015 aller Voraussicht nach das Volk haben. Hier mehr.

(sda/godc;hues)