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Schweiz

Wie weiter am Gotthard?

Bettina Ramseier
Dienstag, 26. Juni 2012, 20:20 Uhr, Aktualisiert 23:52 Uhr

Sanieren – oder gleich eine zweite Röhre durch den Gotthard bauen? Mehrmals hat das Stimmvolk letzteres abgelehnt. Nun diskutiert der Bundesrat die Varianten, noch vor den Sommerferien will er sich für eine entscheiden. «10vor10» zeigt: Der Entscheid birgt Zündstoff.

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Das Stimmvolk hat sich bislang immer gegen eine zweite Gotthard-Röhre ausgesprochen («10vor10» vom 26. Juni 2012).

Der Gotthard-Strassentunnel muss saniert werden. Nach über 30 Jahren bröckelt die Decke, das Verkehrsleitsystem ist nicht mehr zeitgemäss und die Lüftung muss ersetzt werden. Die Sanierung sei eine Chance, die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene endlich voranzutreiben, sagt Alf Arnold von der Alpeninitiative in: «Man muss für die Lastwagen eine Alternative auf der Schiene anbieten. Jetzt haben wir die Gelegenheit, auszuprobieren wie das funktioniert.»

Zwei Varianten für eine Sanierung

Für die Sanierung liegen zwei Hauptvarianten auf dem Tisch. Variante eins würde bedeuten, den Strassentunnel zweieinhalb Jahre lang komplett zu sperren. Kostenpunkt: 1,2 Milliarden Franken; die günstigste Variante. Bei der teureren Variante zwei könnte der Gotthard während der Sommermonate geöffnet werden. Die Sanierung würde allerdings ein Jahr länger, also dreieinhalb Jahre dauern und würde rund 1,4 Milliarden kosten. Die Verlagerung auf die Schiene würde in jedem Fall zusätzliche 500 Millionen Franken kosten.

Jetzt oder nie: Lastwagen-Verband fordert 2. Röhre

Für die Lastwagen-Lobby ist die Gelegenheit günstig. Adrian Amstutz, Zentralpräsident des Nutzfahrzeug-Verbands Astag, fordert den Bau einer zweiten Strassen-Röhre durch den Gotthard. Dies vor allem aus Sicherheitsgründen, betont Amstutz: «Wegen des Gegenverkehrs im Tunnel gibt es immer wieder Tote und Verletzte. Das ist der Hauptgrund, warum es die zweite Röhre braucht. Im Zusammenhang mit der Sanierung drängt sich dieser Entscheid auf.»

Keine Freude hätten daran die Urner, sie haben die negativen Auswirkungen des Verkehrs am Gotthard zu tragen. Baudirektor Markus Züst: «Uri will eine andere Verkehrspolitik. Uri will, dass der Schwerverkehr auf der Schiene fährt und nicht auf der Strasse. Eine zweite Röhre ist nicht der richtige Weg.» Anders sieht es sein Tessiner Amtskollege Marco Borradori. Er befürwortet eine zweite Röhre, allerdings unter der Voraussetzung, dass jede Röhre nur einspurig befahrbar wäre. Insgesamt dürfe es nicht mehr Verkehr geben, sagt Borradori.

Verfassung verbietet Mehrverkehr

Das Schweizer Stimmvolk hat 1994 mit der Annahme der Alpen-Initiative dem Schutz des Alpenraums zugestimmt. Seither heisst es in der Verfassung, der Transitverkehr im Alpengebiet dürfe nicht zunehmen. Alf Arnold sieht diese Bestimmung durch eine zweite Röhre gefährdet. Im Interview mit «10vor10» sagt er: «Es ist eine Illusion zu glauben, dass nur zwei Spuren offen blieben, wenn sich vor dem Gotthard 10 Kilometer Stau bilden. Dieses ‹Hindernis› wäre schnell entfernt.»

Sollte der Bundesrat eine zweite Röhre beschliessen, dürfte das Volk das letzte Wort haben. Das Referendum ist bereits angekündigt.