International
Drogenbericht: 100 Seiten Sucht, Gewalt und Tote
Weltweit haben 230 Millionen Menschen schon einmal Drogen genommen – 27 Millionen von ihnen gelten als süchtig. Alleine mit Kokain und Heroin werden in Europa und Nordamerika jährlich über 100 Milliarden Dollar umgesetzt. Dies sind Fakten, die der Weltdrogenbericht 2012 der UNO auflistet.
Der aktuelle Drogenbericht der UNO-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) zeigt das ganze Dilemma im Kampf gegen Haschisch und Heroin, Ecstasy und Kokain. Gibt es eine Nachfrage, liefern die internationalen Drogenkartelle – mit Milliardengewinnen und zur Not über die Leichen von Drogenfahndern oder Unbeteiligten wie in Mexiko.
Laut dem Bericht haben weltweit 230 Millionen Menschen schon einmal illegale Drogen genommen. 27 Millionen Menschen sind hängen geblieben – das ist einer von 200 Menschen weltweit. Der Drogenkonsum, vor allem in Europa und Nordamerika, ist seit Jahren konstant , das heisst gleich hoch geblieben.
Schwellenländer ziehen nach
Sorgen bereiten den Experten die zunehmende Zahl an Drogenkonsumenten in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Sie näherten sich an die Industrieländer an. «Das ist besorgniserregend», sagte Juri Fedotow, Direktor der UNODC.
Als Beispiel wird in dem Bericht China genannt. Dort gibt es nach offiziellen Zahlen 1 Million Heroinsüchtige. Realistisch geschätzt liege die Zahl aber wohl eher bei 2,4 Millionen, sagten die Experten.
Fakten aus dem Weltdrogenbericht 2012
Auf 100 Seiten listet der Weltdrogenbericht 2012 der UNO-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) Zahlen und Fakten des weltweiten Drogenhandels und -konsums auf. Eine Auswahl:
Drogen und Produktion:
- Rangliste der Drogen: Cannabis (Haschisch und Marihuana), Aufputschmittel, Opiate (Heroin, Opium, Morphium)
- Weltweite Produktion von Opium: 7000 Tonnen. Davon in Afghanistan: 5800 Tonnen
- Anbaufläche für Opium: rund 2000 Quadratkilometer
Wirtschaft:
- Jahreseinnahmen für einen afghanischen Haushalt, der Cannabis anbaut: 9000 Dollar.
- Jahreseinnahmen aus Opium-Anbau: 4000 Dollar
- Jährlicher Umsatz mit Kokain und Heroin in Europa und Nordamerika: 105 Milliarden Dollar
Afghanistan und Iran sind nicht mehr nur Produzentenländer, sondern auch Staaten, in denen tausende Heroinsüchtige dahinvegetieren. Fedotow kennt das: «In vielen Ländern sterben die Heroinsüchtigen einfach auf der Strasse.»
Synthetische Drogen immer beliebter
Die am meisten verbreiteten Drogen sind Haschisch und Marihuana, künstliche Chemikalien, Kokain und Heroin. Zu den chemischen Drogen zählen Aufputschmittel wie das Amphetamin Ecstasy oder Metamphetamine, die schneller und heftiger wirken.
Cannabis-Anbau in Europa
Die EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) stellt fest: Der Cannabismarkt in Europa wächst und fördert die Kriminalität. Der Handel der Droge habe sich zu einem «zentralen Geschäftsbereich krimineller Organisationen» entwickelt. EBDD-Direktor Wolfgang Götz konstatierte: «Wo immer Sie heute in Europa leben, werden Sie zu einem Ort, an dem Cannabis zu kaufen oder verkaufen ist, wahrscheinlich nicht weit laufen müssen.»
Unter den Exporteuren von Cannabisharz nach Europa nimmt Marokko nach wie vor den ersten Platz ein. Europa ist aber auch ein wichtiger einheimischer Hersteller. «Inzwischen berichteten nahezu alle EU-Länder von einheimischem Cannabisanbau», so Götz.
Synthetische Drogen werden gemäss UNODC weltweit immer beliebter. Besonders in den USA gibt es Fedotow zufolge einen deutlichen Anstieg bei den chemischen Drogen und inzwischen deutlich mehr Tote als durch Heroin und Kokain zusammen.
Legale «Drogen» noch gefährlicher
Der UNO-Experte weist aber auch darauf hin, dass gerade die erlaubten Suchtmittel gefährlich sind. An den Folgen des Alkoholtrinkens sterben demnach 2,3 Millionen Menschen, am Rauchen 5,1 Millionen.
Die Drogenbekämpfer müssen sich zunehmend auch mit dem Missbrauch von Medikamenten auseinandersetzen. Besonders Frauen nehmen in vielen Ländern verschreibungspflichtige Tabletten, bis sie abhängig werden.
Afghanistan weiter Hauptlieferant für Opium
Das Hauptlieferland für Opium, den Grundstoff für Heroin, ist weiterhin Afghanistan. Die Opiumproduktion in Afghanistan hat nach einem Rückgang 2010 – wegen einer Pflanzenkrankheit, die einen Teil der Ernte vernichtete – inzwischen mit 5800 Tonnen wieder fast den hohen Stand früherer Jahre erreicht.
Die weltweite Anbaufläche für Opium liegt bei 2070 Quadratkilometern – fast doppelt so viel wie die Fläche des Kantons Uri (1077 Quadratkilometer). Coca-Pflanzen wachsen auf 1490 Quadratkilometern.
Düstere Aussichten
«Illegale Drogen verstärken die Kriminalität, untergraben die Menschenrechte und sind ein erhebliches Gesundheitsrisiko», so Fedotow. Und auch UNO-Generalsekretät Ban Ki Moon teilt mit: «Drogenmissbrauch und illegaler Drogenhandel haben weiterhin eine sehr negative Auswirkung auf die Entwicklung und Stabilität in aller Welt.»
Die einzelnen Länder geben Milliarden von Franken im Kampf gegen Drogen aus. Tausende Polizisten riskieren ihr Leben. Ob die Schlacht zu gewinnen ist, ist fraglich. Der Weltdrogenreport zeichnet ein wenig optimistisches Bild. Bis zum Jahr 2100 rechnet die UNO mit 300 Millionen Menschen, die Drogen nehmen.
(dpa/sda/schubeca;hues)







