Wirtschaft
Lohnschere bei mittleren Unternehmen öffnet sich weiter
Bei den Managerlöhnen haben sich ein paar wenige «galaktische Auswüchse» nach unten korrigiert. Im Zehnjahresvergleich fand jedoch eine massive Öffnung der Lohnschere im Mittelfeld statt. Für den Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse ist klar: Die Politik ist nach wie vor gefordert.
Zum achten Mal in Folge hat Travailsuisse die Löhne der Topmanager in 27 Schweizer Unternehmen untersucht und kann nun auf eine Zeitreihe von zehn Jahren zurückgreifen. Die Bilanz fällt durchzogen aus, wobei die negativen Feststellungen klar überwiegen.
Dringender politischer Handlungsbedarf
2011 sind einige «galaktische Auswüchse» bei den Managerlöhnen zwar korrigiert worden, schreibt Travailsuisse in einem Bericht. Dennoch legten die Saläre auf den Teppichetagen innert zehn Jahren um 56 Prozent zu. Die Reallöhne stiegen im selben Zeitraum nur um 5 Prozent.
Mit anderen Worten: Oben steigen die Saläre, unten nimmt der Lohndruck zu. Für Travailsuisse ist das ein «unglaubliches Missverhältnis». Kein einziges der Unternehmen erfülle die Vorschriften der 1:12-Initiative.
Martin Flügel erwartet deshalb eine glaubwürdige politische Antwort auf diese Entwicklung: Diese beinhaltet insbesondere die Aktionärsabstimmung über individuelle Saläre der Konzernleitung, eine angemessene Personalvertretung im Verwaltungsrat und den verstärkten Schutz der normalen Löhne in der Schweiz.
Neue Manager arbeiten günstiger
Im Berichtsjahr 2011 schlossen sich die Lohnscheren in einigen Unternehmen. Als Gründe nennt Travailsuisse den schlechten Geschäftsgang, Regulierungen bei den Banken und personelle Änderungen.
Bei den Firmen, die 2002 die grössten Unterschiede zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Lohn aufwiesen, blieb indessen alles beim alten. Bei Novartis, UBS, Roche, Nestlé und Credit Suisse stellte Travailsuisse geringe Änderungen fest. Wo sich die Lohnschere leicht schloss, arbeiteten offenbar neue Manager günstiger.
Verdoppelung im Mittelfeld
Das von Travailsuisse beobachtete «Lohnkartell» umfasste im vergangenen Jahr 41 Manager. Ranglisten-Erster war Novartis-Chef Joe Jimenez, der 266mal mehr verdiente, als sein am schlechtesten bezahlter Angestellter.
Was Travailsuisse besonders beunruhigt, ist die Entwicklung im Mittelfeld. In sogenannten normalen Firmen wie Georg Fischer, Implenia, Lonza, Kuoni oder Bâloise verdoppelten oder verdreifachten sich die Lohnunterschiede zwischen «unten» und «oben» in den letzten zehn Jahren. Diese Anstiege liessen sich nicht mit Leistung begründen, sie seien «reine Nachahmereffekte».
(sda/weis;coro)







