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Ritalin: Heilmittel wird zur Wunderwaffe in Schulstuben

Montag, 25. Juni 2012, 15:32 Uhr, Aktualisiert 26.06.2012, 13:28 Uhr

Die Bezüge von Medikamenten gegen die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben zwischen 2005 und 2008 um 40 Prozent zugenommen. Kinderärztin Bea Latal vom Kinderspital Zürich erklärt warum.

Im Jahr 2008 bezogen 85 von 1000 Kindern bis zum Alter von 18 Jahren den Ritalin-Wirkstoff Methylphenidat. Im Jahr 2005 waren es noch 61 von 1000 Kindern. Fast viermal so viele Knaben wie Mädchen wurden gegen ADHS behandelt.

Der Anteil der Kinder, die ADHS-Medikamente bezogen, nahm im Alter von sechs und zwölf Jahren zu und danach wieder ab. Dies schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Im Jahr 2007 erhielten drei von 100 12jährigen Knaben und knapp eins von 100 gleichaltrigen Mädchen Methylphenidat.

Gründe für die Zunahme der Ritalin-Abgabe

Laut der Kinderärztin Bea Latal nimmt die Krankheit ADHS nicht bedeutend zu. Latal verweist auf die Probleme bei der Diagnostizierung von ADHS sowie unseren gesellschaftliche Umgang mit Kindern und Leistung. Lesen Sie hier mehr dazu.

Bezogene Menge steigt

Die Studie bestätigte zudem den schon früher beobachteten Trend: Die eingenommene Wirkstoffmenge nimmt zu. Sie stieg in diesen vier Jahren um 9 Prozent, von durchschnittlich fünf auf fünfeinhalb Gramm pro Jahr. Die Kinder nahmen das Medikament im Schnitt während 275 Tagen ein. Damit ist nur eine Minderheit Langzeitbezüger.

ADHS behindert Sozialkontakte und verschlechtert Schulleistungen. 2,6 und 10 Prozent der Kinder leiden in der Schweiz unter der Krankheit. Somit wird nur ein Teil der Betroffenen mit Medikamenten behandelt. Dies stimme mit den Behandlungsempfehlungen überein, schreibt das BAG.

Zu drei Vierteln verschrieben Kinderärzte, Allgemeinärzte und Kinderpsychiater das Medikament. Auch Kliniken stellten gelegentlich Rezepte aus. 80 Prozent der Medikamente wurden in Apotheken abgeholt.

(sda/galc;schubeca)