Wirtschaft
Krise: Exportrisikoversicherung muss zahlen
Die Krise in Spanien und Griechenland hat auch Auswirkungen auf die Schweizerische Exportrisikoversicherung. Zum ersten Mal musste die Anstalt des Bundes dort bei einem grossen Schadensfall einspringen. Betroffen ist ein spanisches Projekt eines Schweizer Solarunternehmens.
In den letzten Jahren ist die Schweizerische Exportrisikoversicherung (SERV) in ruhigen Gewässern gesegelt. Die öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes, die mit Versicherungslösungen die Schweizer Exportwirtschaft beim Abschluss von Auslandgeschäften unterstützt, hat kaum grössere Schäden übernehmen müssen.
2008 und 2009 mussten gar keine Zahlungen getätigt werden, 2010 betrug die Schadenssumme 6 Millionen Franken, im letzten Jahr 18 Millionen.
In Zahlungsverzug
Doch nun dürfte die Entwicklung in Griechenland und Spanien dazu führen, dass die Exportrisikoversicherung in stürmische Gewässer gerät. Verantwortlich ist ein Schweizer Exportunternehmen aus der Solarindustrie, das bei zwei grossen Solarprojekten in Griechenland und Spanien mit Zahlungsrückständen der Kunden in erheblichem Umfang kämpft.
Im letzten Jahr hat die SERV deswegen massive Rückstellungen bilden müssen, was im Jahresergebnis zu einem Defizit geführt hat.
Jetzt kommt die nächste Hiobsbotschaft: Der Schaden ist inzwischen eingetreten, wie die Leiterin der Kommunikation bei der SERV, Sonja Kohler Müller, bestätigt: «Letztes Jahr haben wir bereits einen ersten Teil des Schadens bezahlt.» Dieses Jahr würden sie eine zweite Rate zahlen und weitere Raten würden wohl noch folgen.
Grosse Summen
Beim Solarprojekt in Griechenland habe man noch nicht bezahlt, aber auch hier drohe der Schaden, sagt die SERV-Sprecherin. Welches Schweizer Unternehmen betroffen ist, möchte sie nicht verraten. Es gehe aber um grosse Summen: «Das Projekt in Griechenland beläuft sich auf circa 50 Millionen Euro, das in Spanien auf 30 bis 40 Millionen Euro.»
Griechenland und Spanien werden für die SERV somit zu einer grossen Belastung. Das ist besonders bemerkenswert, da die beiden Länder erst seit kurzem von der Exportrisikoversicherung abgedeckt werden – Griechenland seit 2006, Spanien seit 2008. Sonja Kohler Müller: «Üblicherweise haben das bis dahin private Gesellschaften gemacht. Aber die ziehen sich immer mehr aus dem Geschäft zurück.»
Limiten notwendig
Damit die beiden Länder Südeuropas für die SERV nicht zum Fass ohne Boden werden, habe man beschlossen, das Engagement zu begrenzen, sagt die Leiterin der Kommunikation: «Wir haben bei beiden Ländern eine Limite gesetzt: Für Spanien liegt sie bei 300 Millionen Franken. Diese ist zur Hälfte ausgeschöpft.»
Für Griechenland liege die Limite bei 130 Millionen Franken. Diese sei schon beinahe ausgeschöpft. Die Finanzkrise Südeuropas ist definitiv in der Schweiz angekommen.






