International
Überforderung und Ratlosigkeit in Syrien
Vor zwei Tagen haben die unbewaffneten UNO-Blauhelme ihre Beobachtermission in Syrien vorübergehend abgebrochen. Seither – so Aktivisten und Augenzeugen – zieht das Regime die Daumenschrauben noch mehr an. Das Resultat: «So viele Verletzte, dass wir nicht wissen, wo uns der Kopf steht.»
Aktivisten berichten, am Vortag seien 83 Menschen von den Truppen des Regimes getötet worden. Unter den Toten seien elf Kinder.
Die syrische Armee soll am Montag mit Granatwerfern, Artillerie, Panzern und Kampfhelikoptern landesweit Stellungen der Rebellen angegriffen haben. Die Armee greife beispielsweise Duma ununterbrochen an, so ein Aktivist. Dort habe es die meisten Opfer gegeben.
Duma, im Umland von Damaskus, hatte teilweise unter Kontrolle der Aufständischen gestanden. Nun berichtet ein Mann, es gebe so viele Verletzte, dass sie nicht mehr ein und aus wüssten. Die Toten könnten sie nicht mehr zählen. «An Flucht ist nicht zu denken, die Armee umstellt die Stadt.»
Ein anderer Regimegegner in Damaskus sagte, viele Verletzte und Leichen hätten noch nicht geborgen werden können. «Wegen der andauernden Bombardierung ist es bisher niemandem gelungen, mögliche Überlebende zu bergen, die noch unter den Trümmern liegen.»
Auch im Bezirk Deir Baalba in Homs fanden Regimegegner sechs Leichen. Neue Gefechte wurden zudem aus der Stadt Deir as-Saur gemeldet.
Russland verlegt Kriegsschiffe ins Mittelmeer
Offenbar zum Schutz seiner Marinebasis in der syrischen Hafenstadt Tartus hat Russland zwei schwere Kriegsschiffe ins Mittelmeer verlegt. An Bord sind auch Marineinfanteristen.
Russland befürchtet wegen des blutigen Konflikts in Syrien den Stützpunkt zu verlieren. Tartus ist einer der wenigen Stützpunkte der russischen Marine ausserhalb der ehemaligen Sowjetunion.
Russland ist ein wichtiger Verbündeter al-Assads und liefert viele Waffen an Syrien.
Die syrische Regierung erklärte sich indes bereit, Zivilisten aus der umkämpften Stadt Homs ohne Vorbedingungen in Sicherheit zu bringen. Das Aussenministerium erklärte, «bewaffnete Terroristen» hätten bisher eine Evakuierung behindert, die mit der UNO-Beobachtermission und den örtlichen Behörden abgestimmt worden sei.
UNO-Missionschef Robert Mood hatte am Sonntag gefordert, dass die Konfliktparteien eine Evakuierung von Frauen, Kindern und Kranken aus den umkämpften Gebieten ermöglichen. In Homs sind nach Angaben von Aktivisten rund 1000 Familien eingeschlossen.
Auch wirtschaftlich wird es schwierig
Geldwechsler in Syrien dürfen an jeden Bürger noch maximal Devisen im Wert von 2000 US-Dollar ausgeben. Das hat dazu geführt, dass vermögende Syrer ihren Landsleuten Geld geben, wenn sie für sie Geld wechseln gehen.
Wer ein Flugticket vorweisen kann, darf lokale Währung im Wert von 10'000 Dollar tauschen. Allerdings herrscht ein Reiseverbot für hochrangige Beamte. Regimegegner wagen sich ohnehin schon nicht mehr zum Flughafen oder an einen der Grenzübergänge.
Das syrische Pfund hat seit Beginn des Aufstandes gegen Baschar al-Assad im März 2011 gegenüber dem Dollar 45 Prozent seines Wertes eingebüsst.
USA und Russland finden Gemeinsamkeiten
US-Präsident Barack Obama und der russische Präsident Wladimir Putin haben ein Ende der Gewalt in Syrien gefordert. Auf ein gemeinsames Vorgehen konnten sie sich bei dem zweistündigen Gespräch am G20-Gipfel nicht einigen.
Obama befürwortet einen politischen Prozess, um einen Bürgerkrieg in Syrien zu verhindern. Putin sagte, es gebe eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten. Beide Seiten wollten weiter diskutieren.
Letzte Woche war es zum diplomatischen Streit über Syrien zwischen beiden Ländern gekommen. US-Aussenministerin Hillary Clinton warf Russland vor, Syriens Präsident Baschar al-Assad Kampfhelikopter zu liefern. Russland wies die Vorwürfe zurück.
(dpa/sda/schubeca)



