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International

Nachhaltigkeits-Gipfel ohne Nachhaltigkeit: Kritik aus Bern

Dienstag, 19. Juni 2012, 2:12 Uhr

Vor dem Beginn des UNO-Nachhaltigkeitsgipfels in Rio de Janeiro besteht Uneinigkeit bezüglich der bisher ausgearbeiteten Abschlusserklärung. Die Schweiz, Frankreich und Deutschland äusserten sich zurückhaltend.

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Aus Sicht der Schweizer Delegation wird das sich abzeichnende Verhandlungsergebnis «den Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung nur ungenügend gerecht», wie diese in einer Mitteilung schreibt. In den meisten Bereichen werde Beschlossenes lediglich bestätigt, teils falle das Ergebnis von Rio gar gegenüber früher erzielten Einigungen zurück, hiess es.

Mehr Zeit nötig

Auch der deutsche Umweltminister Peter Altmaier und seine französische Kollegin Nicole Bricq äusserten sich gemäss einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP zurückhaltend zum Entwurf der Abschlusserklärung. Sie forderten, die gesamte Zeit des Gipfels für Verhandlungen zu nutzen.

Bild Demonstration
Bereits im Vorfeld des Rio+20-Gipfels kommt es in der brasilianischen Metropole immer wieder zu Demonstrationen. keystone

Die Verhandlungen befänden sich erst am Anfang, sagte Altmaier in Rio, wo der Gipfel von Mittwoch bis Freitag stattfindet. Es müsse in den Tagen des Gipfels jede Minute genutzt werden. Gastgeber Brasilien hat sich dagegen zum Ziel gesetzt, die Verhandlungen über das Abschlussdokument alsbald zu beenden und den Staats- und Regierungschefs am eigentlichen Rio+20-Gipfel einen fertigen Text vorzulegen.

Lediglich Absichtserklärungen

Bricq sagte, was bis jetzt auf dem Tisch liege, reiche trotz einiger «positiver Punkte» wie der Stärkung der Zivilgesellschaft nicht aus. Dem Entwurf fehle es an Ehrgeiz, bis jetzt handle es sich besonders bei den Punkten zur nachhaltigen Entwicklung «lediglich um Absichtserklärungen».

Ziel Deutschlands und der EU ist unter anderem eine Aufwertung und Bündelung der bislang verteilten Kräfte in einer eigenständigen UNO-Umweltorganisation.

Nachhaltiger Herstellungsprozess (Einstein, 08.10.2009)

Schweiz sieht auch Positives

Aus Schweizer Sicht gibt es allerdings auch einige positive Punkte. Etwa, dass die Grüne Wirtschaft in die Agenda der UNO aufgenommen werden soll. Die Schweiz möchte das UNO-Umweltprogramm UNEP aufwerten, indem eine universelle Mitgliedschaft eingeführt wird. Nach Angaben der Delegation ist dies im Abschlussdokument vorgesehen. Die UNEP soll zudem eine UNO-Umweltstrategie erarbeiten.

Vom 20. bis 22. Juni kommen Vertreter aus über hundert Ländern in Rio zusammen, um über eine nachhaltige Entwicklung zu beraten. Vor 20 Jahren hatte die Weltgemeinschaft in Rio erstmals die UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung abgehalten. Allerdings werden am diesjährigen Gipfel zahlreiche Spitzenpolitiker fehlen, darunter US-Präsident Barack Obama, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, der chinesische Präsident Hu Jintao sowie der britische Premier David Cameron.

Bild Rio-Schild bei Nacht
Vor den grellen Farben des Nachtlebens und der kunterbunten Rhetorik von Berufsdiplomaten könnten in Rio Abertausende aneinander vorbeireden. keystone

Absage von Widmer-Schlumpf

Auch aus der Schweiz kam am Montag eine Absage: Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf sagte ihre Reise zum Gipfel ab. Das Finanzdepartement begründete die Absage damit, Widmer-Schlumpf habe verschiedene Staats- und Regierungschefs treffen wollen, die wegen der Schuldenkrise in Europa nun auch nicht anreisen würden.

Die Bundespräsidentin stelle sich aber hinter die Ziele der Konferenz, mit der die nachhaltige Entwicklung vorwärts gebracht werden soll, heisst es weiter im Communiqué. Das Thema geniesse für die Schweiz hohe Priorität.

Vertreten wird die Schweiz damit auf oberster Stufe durch Umweltministerin Doris Leuthard, die auch die offizielle Schweizer Rede an der Plenarversammlung halten wird. Über 100 Staats- und Regierungschefs hatten sich für den dreitägigen Gipfel angekündigt. Widmer-Schlumpf und Leuthard wollten nach ursprünglicher Planung im Tandem an den Gipfel reisen,

Rousseau und die Nachhaltigkeit (Sternstunde Philosophie, 10.06.2012)

(agenturen/halp; schl)