Schweiz
Diskussion zum erneuten Ärztestopp lanciert
Nach dem Nein zur Managed-Care-Vorlage rückt der Zulassungsstopp für neue Arztpraxen wieder in den Fokus der Politiker. Der Stopp wurde im Jahr 2002 eingeführt, um die Kosten in den Griff zu kriegen. Seit Anfang 2012 können Ärzte aber wieder ohne Einschränkungen eine Praxis eröffnen – sie tun dies zu Hauf.
Für die Hausärzte war der Zulassungsstopp bereits im Sommer 2010 aufgehoben worden. Das Parlament verzichtete auf die Verlängerung der Regulierung, weil es darauf zählte, dass die Managed-Care-Vorlage die Kosten senken würde.
Die öffentliche Diskussion über die Zulassungen wurde aber nicht erst mit dem Nein des Stimmvolks zu Managed Care neu lanciert. Bereits im Mai veröffentlichten der Krankenkassendachverband Santésuisse und die Gesundheitsdirektoren Zahlen, die in den ersten vier Monaten 2012 einen Ansturm auf die Praxisbewilligungen belegten.
Von Januar bis Ende April 2012 erteilte santésuisse 890 Medizinern eine neue Abrechnungsnummer. Davon waren 191 allgemeine Mediziner, 699 waren Spezialisten. Im selben Zeitraum 2011 waren total 389 Abrechnungsnummern erteilt worden.
Bewilligung auf Vorrat
Die Gesundheitsdirektoren und der Ärzteverband FMH warnen allerdings vor einer vorschnellen Interpretation dieser Zahlen. «Nicht alle dieser Ärzte werden auch tatsächlich eine neue Praxis eröffnen», sagte Stefan Leutwyler, Stellvertretender Zentralsekretär der Konferenz der Gesundheitsdirektoren. Es gebe auch Ärzte, die die Bewilligung auf Vorrat bestellt hätten.
Für die Konferenz der Gesundheitsdirektoren ist deshalb die Zahl der Ärzte, die auch tatsächlich neu mit den Krankenkassen abrechnen, aussagekräftiger. Von Januar bis Ende März 2012 nahm diese Zahl um 350 zu. Betroffen waren vor allem die Kantone Genf, Waadt, Tessin, Basel-Stadt und Zürich. Ende August sollen die Angaben für das erste Halbjahr 2012 vorliegen.
Für FMH-Präsident Jacques de Haller ist die starke Zunahme Anfang Jahr logisch: «Die Spezialärzte, die in den Spitälern arbeiteten, waren jahrelang blockiert», sagte er. Deshalb habe es nun am Anfang diesen Ansturm gegeben.
(sda/galc;horm)



