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International

«Gewaltorgien» in Nigeria: 36 Tote durch Terror und Unruhen

Sonntag, 17. Juni 2012, 15:54 Uhr, Aktualisiert 18.06.2012, 2:57 Uhr

Bei Anschlägen auf christliche Kirchen und anschliessenden Unruhen im Norden Nigerias sind neuen Angaben zufolge mindestens 36 Menschen getötet worden. Mehr als hundert Menschen seien verletzt worden, teilte am Sonntagabend die nationale Notfallbehörde mit.

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Unter anderem seien im Bundesstaat Kaduna innerhalb von nur einer Stunde Anschläge auf drei Kirchen verübt worden. Nach den Anschlägen kam es an verschiedenen Orten zu Protesten und Ausschreitungen christlicher Jugendlicher gegen Muslime. Ein Behördensprecher berichtete von regelrechten «Gewaltorgien».

Am Morgen ereigneten sich fünf koordinierte Angriffe auf Kirchen in den Städten Zaria und Kaduna. Sie wurden von Selbstmordattentätern ausgeführt. Zu den Anschlägen bekannte sich niemand. Die militante Islamisten-Sekte Boko Haram hatte in der Vergangenheit ähnliche Angriffe verübt.

Anschläge der Sekte Boko Haram

In Nigeria kämpft die militante Sekte Boko Haram für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden von Nigeria. Boko-Haram-Anhänger verüben regelmässig Anschläge auf Polizeiposten, Behörden und Kirchen.

Seit Mitte 2009 starben durch Anschläge von Boko Haram mehr als 1000 Menschen.

Lynchjustiz – Christen üben Vergeltung

Als Reaktion auf die Anschläge griffen in der etwas südlich gelegenen Stadt Kaduna jugendliche Christen anschliessend Muslime mit Stöcken und Messern an. Sie liessen auch eine Moschee in Flammen aufgehen.
 
Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre, um die prekäre Sicherheitslage unter Kontrolle zu bringen. Es seien Strassenbarrikaden errichtet worden, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur dpa. Er fügte hinzu: «Wir haben es satt, jeden Sonntag gibt es ein Blutbad. Jetzt haben wir entschieden, zurückzuschlagen: Blut für Blut, Feuer für Feuer.»

Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan verurteilte die Gewalt und rief dazu auf, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

Nigeria ist mit mehr als 160 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Der Anteil von Christen und Muslimen ist weitgehend ausgeglichen, allerdings gibt es regionale Unterschiede: Der Islam dominiert den Norden, das Christentum den Süden. Die wichtigsten Ölfelder von Afrikas grösstem Förderer befinden sich im Süden des Landes.

(agenturen/redaktion;weis)