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Schweiz

SNB: CS und UBS für Euro-Krise nicht gewappnet – Aktien im Sturzflug

Donnerstag, 14. Juni 2012, 10:59 Uhr, Aktualisiert 20:44 Uhr

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) drängt die Grossbanken Credit Suisse und UBS zu weiterem Aufbau von hartem Eigenkapital. Denn beide Institute wären laut den Notenbankern für eine dramatische Ausweitung der Euro-Krise unterkapitalisiert. Die Anleger an der Börse reagierten entsetzt: Die CS-Aktie verlor bis Börsenschluss fast 10,5 Prozent.

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CS und UBS hätten zwar Fortschritte bei der Kapitalausstattung erzielt. Die Widerstandskraft sei angesichts der hohen Risiken im heutigen Umfeld aber ungenügend, sagte SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine in Bern bei der Publikation des diesjährigen Berichts über die Schweizer Finanzstabilität.

. Beide Grossbanken haben sich entschieden gegen den Vorwurf der Nationalbank, sie seien unterkapitalisiert, gewehrt. (Tagesschau, 14.06.2012, 19.30)

Das direkte Engagement der beiden Banken in den verletzlichsten Euro-Staaten sei zwar moderat. Hingegen könnten bei einer weiteren Eskalation der Euro-Krise auch für UBS und CS hohe Verluste auf Kredit- und Handelspositionen in der EU, in der Schweiz und den USA entstehen.

Bild Kursverlauf.
Der Kurs der CS-Aktie zeigte praktisch nur in eine Richtung: nach unten. pd

SNB schickt Credit Suisse auf Talfahrt

Der Stabilitätsbericht der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat die Aktien der CS auf Talfahrt geschickt. Die Titel brachen nach der Veröffentlichung des Berichts um über 10 Prozent ein und schlossen mit einem Minus von 10,47 Prozent. Zuletzt notierten die Titel vor 20 Jahren auf diesem Niveau.

Auch die UBS-Aktien sanken deutlich. Ihr Rückgang betrug vorübergehend 4,8 Prozent. Im Laufe des frühen Nachmittags pendelte sich das Minus bei rund 1,9 Prozent ein. Zu Börsenschluss standen sie bei Minus 0,27 Prozent.

SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine zeigte sich «überrascht, dass der Markt überrascht ist» über die Forderung nach zusätzlichem Kapital angesichts der bekannten Fakten. Die Ausgangslage der Schweizer Grossbanken sei grundsätzlich gut. Es sei aber Aufgabe der SNB auch auf Schwachpunkte hinzuweisen.

Einen Schock wie in der Finanzkrise 2007 bis 2009 könnten beide Institute nicht absorbieren. Dies ist insbesondere für die CS ernüchternd, die damals – anders als die UBS – ohne Staatshilfe ausgekommen war.

Ein Vergleich der Kapitalausstattung der Banken ist aufgrund der verschiedenen angewendeten Modelle schwierig. Die SNB richtet den Fokus auf «verlusttragendes Kapital», während viele Banken ihre Aktiven «risikogewichten».

Widerspruch zwischen Banken- und SNB-Sicht

Während sich die beiden Schweizer Grossbanken zu den bestkapitalisierten Banken der Welt zählen, fallen sie in der SNB-Betrachtung an den Schluss des Feldes: So betrage das «verlustabsorbierende Kapital» der UBS 2,7 Prozent der Nettobilanz, bei der CS sind es gar nur 1,7 Prozent.

In diesem Vergleich werden neben dem harten Kernkapital keine Derivatepositionen angerechnet. Die CS kann auch ihre umfangreichen hybriden Kapitalanlagen nicht mehr einbeziehen.

«Mit dieser Quote belegen die Schweizer Banken die hinteren Plätze in der Weltrangliste», sagt SF-Wirtschaftsexperte Reto Lipp. Der Warnruf der SNB komme völlig zu Recht, so Lipp zu «SF Online». In den USA liege die vorgeschriebene Quote beispielsweise bei 5 Prozent. «Kommt es tatsächlich zum Kollaps in der Eurozone, wären CS und UBS akut gefährdet.»

Die SNB stützt sich dabei auf die Erfahrungen aus der Finanzkrise, als viele Anlagen nicht mehr zu Bilanzwerten veräussert werden konnten. Die UBS habe damals zur Absorbierung der Verluste Kapital von über 3 Prozent der Nettobilanz verbraucht.

Aber auch gemäss dem neuen Bankenstandard «Basel III» sind UBS und CS laut SNB unterdurchschnittlich kapitalisiert. Dabei wäre angesichts deren enormer Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft eine überdurchschnittliche Kapitalausstattung angebracht, sagte Danthine.

CS soll Tempo machen

Die SNB rät der UBS, ihren Weg des Kapitalaufbaus fortzusetzen und dazu auch an der restriktiven Dividendenpolitik festzuhalten. Die CS hingegen solle den Kapitalaufbau beschleunigen, schon in diesem Jahr. Es sei sehr wichtig, weil sich das Umfeld in den Finanzmärkten verschlechtert hat, betont Jordan im Interview mit der «Tagesschau».

SNB-Präsident Thomas Jordan rät Banken weiter verlusttragendes Kapital aufzubauen.

CS und UBS betonten, sie überträfen die heutigen Kapitalanforderungen nach «Basel 2,5» bei weitem.

Im Hinblick auf die Schweizer «Too-big-to-fail»-Regulierung auf der Basis von «Basel III» habe die CS bereits einen Kapitalpuffer (CoCo-Bonds, die im Krisenfall zu Aktien werden) aufgebaut und damit ihre Eigenkapitalquote per Ende 2012 um 3 Prozent an verlustabsorbierendem Kapital erhöht, hält die CS fest.

Die UBS sieht sich auf ihrem eingeschlagenen Weg der kontinuierlichen Kapitalstärkung bekräftigt. Sie habe bereits einen klaren Plan vorgelegt, um die Kapitalbasis weiter zu stärken und den Spielraum für Dividenden zu erhalten.

Bild CS-Chef Brady W. Dougan
Kommt mit seiner Bank nach dem SNB-Bericht massiv unter Druck: CS-Chef Brady W. Dougan. keystone / archiv

 

(sda/vaid;gern;galc)