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Schweiz

Hypo-Boom: SNB will unvorsichtige Banken bremsen

Donnerstag, 14. Juni 2012, 12:05 Uhr, Aktualisiert 12:05 Uhr

Die Hypothekarkredite in der Schweiz haben 2011 ungebremst zugenommen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) denkt nun laut darüber nach, für das Geschäft der Immobilienfinanzierung antizyklische Kapitalpuffer zu verlangen.

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Im vergangenen Jahr wuchs das Volumen der Hypothekarkredite um weitere 5,2 Prozent oder 39,7 Mrd. auf 797,8 Mrd. Franken. Im Vorjahr hatte das Wachstum 4,6 Prozent betragen. In den letzten zehn Jahren nahmen die Baukredite um fast 300 Mrd. Fr. zu, schreibt die SNB in ihrem Bericht zur Finanzstabilität.

Die Kantonalbanken weiteten ihre Führungsrolle aus. Ihr Hypothekarvolumen nahm 2011 um 15,6 Mrd. Fr. auf 275,7 Mrd. Fr. zu. Die Raiffeisenbanken legten um 8,9 Mrd. auf 128,5 Mrd. Fr. zu, die Grossbanken etwas weniger stark um 6,6 Mrd. auf 240,6 Mrd. Franken.

SNB sieht Fehlentwicklungen

Es bestünden Anzeichen höherer Risikoneigungen und zunehmender Fehlentwicklungen, erklärte die SNB. Das Profil der Banken in der Schweiz sei risikoreicher als noch 2007, insbesondere bei der Hypothekenvergabe bezüglich möglicher Zinshausse.

Laut SNB übersteigen inzwischen die Preise der Eigentumswohnungen nicht selten das fundamental gerechtfertigte Niveau. Der früher geltend gemachte Nachholbedarf auf dem Schweizer Immobilienmarkt sei nicht mehr vorhanden.

Zusätzliche Kapitalhinterlegung

Für einige Banken sei das Engagement in dem Geschäft ein Klumpenrisiko geworden. Auch grössere Banken seien besonders risikobereit und überschätzten ihre Kapitalausstattung.

Als Vorsichtsmassnahme denkt die SNB über antizyklische Kapitalpuffer nach, welche der Bundesrat ab 1. Juli ermöglicht hat. Demnach könnte die SNB dem Bundesrat beantragen, zusätzliche Eigenmittel in der Höhe von bis zu 2,5 Prozent der risikogewichteten Positionen vorzuschreiben. Derzeit werden 8 Prozent verlangt.

Bereits Anfang Monat haben die Banken im Rahmen ihrer Selbstregulierung beschlossen, ab 1. Juli die Bedingungen für Hypothekenvergabe zu verschärfen. So muss für Risiko-Schuldner mehr Eigenkapital hinterlegt werden. Als Risiko-Schuldner gilt, wer weniger als 10 Prozent mit eigenem - und nicht aus der zweiten Säule stammendem - Kapital einbringen kann. Zudem soll die Hypothek innert 20 Jahren auf maximal zwei Drittel des Belehnungswerts amortisiert werden können.

Allfällige Krise mildern

Die SNB betont, ein antizyklischer Kapitalpuffer für Immobilienkredite würde aufgehoben, wenn die Fehlentwicklung abgeflaut ist. Das Instrument könne eine Krise nicht eliminieren, aber mindern.

Die SNB erwartet, dass es keine Effekte auf die Vergabe anderer Kredite, etwa für Unternehmensfinanzierungen, geben würde. Es gelte, die Kosten für den Puffer gegen die Kosten einer Krise abzuwägen.

Die Notenbanker räumen ein, dass es für die im neuen Bankenstandard «Basel III» vorgesehenen antizyklischen Kapitalpuffer noch kaum Vorbilder gebe.

Für die direkte Beaufsichtigung der einzelnen Banken ist die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) zuständig. Den möglichen Eingriff in die Hypothekenvergabe der Schweizer Banken rechtfertigt die SNB damit, dass zu ihrer Aufgabe auch gehöre, zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Mit diesem Argument übernahm die SNB 2008 auch Milliardenrisiken zur Rettung der UBS.

(sda/vaid)