Krise im Euro-Land
Spanische Rendite nach Moody's-Herabstufung auf Rekordhoch
Die Ankündigung Spaniens, unter den EU-Rettungsschirm zu schlüpfen und Hilfen für seine Banken anzunehmen, sollte für Beruhigung sorgen. Doch die Ratingagentur Moody's sieht dadurch die Kreditwürdigkeit des Landes geschmälert und senkt ihr Rating fast bis auf Ramschniveau. In der Folge kletterte die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen in die Höhe.
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Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Spaniens gleich um drei Noten gesenkt. Die Bonitätsnote werde von «A3» auf «Baa3» herabgestuft, teilte Moody's in London mit. Damit liegt die Kreditwürdigkeit nur noch eine Note über dem sogenannten Ramschniveau.
Herabstufung plus Drohung
Zudem droht Moody's gleich eine weitere Herabstufung an. Eine Entscheidung darüber soll spätestens in drei Monaten erfolgen. Das von den Euro-Finanzministern am vergangenen Samstag zugesagte Hilfspaket in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der Banken werde die Schuldenlast des Landes weiter steigen lassen, schreibt Moody's. Dabei sei die Verschuldung bereits im Verlauf der Finanzkrise deutlich gestiegen.
Renditen auf Rekordhoch
Für Spanien werden die Einschläge immer heftiger: Zum Handelsauftakt kletterte die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen auf 6,858 Prozent. Damit erreichten die Papiere den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung.
In den kürzeren Laufzeiten fiel die Dynamik sogar noch stärker aus, wenngleich die Rekordstände noch etwas entfernt waren: Bei zweijährigen Titeln zog die Rendite um über 20 Basispunkte auf bis auf 5,062 Prozent an, bei fünfjährigen Papieren um 18 Basispunkte auf bis zu 6,233 Prozent.
Damit muss Spanien viel höhere Zinsen für frisches Kapital zahl en als die Kernländer Europas. Ähnlich hohe Zinsen muss Italien mit 6,2 Prozent bieten. Deutschland hingegen zahlt für zehnjährige Schulden mit 1,5 Prozent noch nicht mal ein Viertel dessen. Und auch in anderen Kernländern beträgt das Zinsniveau einen Bruchteil des südeuropäischen Niveaus.
Nur beschränkten Finanzmarktzugang
Spanien habe nur noch einen sehr beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten, heisst es bei Moody's. Das Land erhalte fast nur noch Geld von den nationalen Banken, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) grosszügig mit Liquidität versorgt würden. Zudem belaste die anhaltende Schwäche der spanischen Wirtschaft die Finanzkraft des Landes. Moody's hat zudem die Bewertung des spanischen Bankenrettungsfonds FROB um drei Noten auf «Baa3» gesenkt.
Ob das Land weiter herabgestuft werde, hänge von den Bedingungen der Hilfe und der Form der Bankenrekapitalisierung ab, schreibt Moody's. Auch mögliche weitere Initiativen auf der Ebene der Eurozone spielten eine Rolle. Die Gefahren für das Rating von Spanien und anderer Euro-Länder würden zudem steigen, falls das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone zunehme. Moody's bewertet damit Spanien noch schlechter als die Konkurrenten Standard & Poor's (BBB+) und Fitch (BBB).
Besorgte Töne in der Presse
Auch in der spanischen Presse wird bezweifelt, dass der Milliardenkredit für die Banken für Entspannung sorgen könnte. So schreibt die rechtsliberale spanische Zeitung «El Mundo»: «Der Milliardenkredit für die spanischen Banken hat auf den Finanzmärkten kein neues Vertrauen geschaffen. Nun ist der Moment gekommen, tiefgreifende Entscheidungen für eine Reform des Euro zu treffen. Diese müssen in Richtung einer Steuer- und Bankenunion gehen.
Auch die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) muss neu definiert werden. Die EZB muss in die Lage versetzt werden, ähnlich wie die US-Notenbank zu handeln und währungspolitische Entscheidungen zu treffen. Die Entwicklung der vergangenen Tage hat deutlich gemacht, dass bei den strukturellen Änderungen höchste Eile geboten ist. Ein Aufschub wäre selbstmörderisch.»
Auch Zyperns Bonität gesenkt
Angesichts der Unsicherheiten zum Verbleib Griechenlands in der Eurozone hat der Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Zyperns herabgestuft. Wie Moody's London mitteilte, wurde die Bonitätsnote des Euro-Landes um zwei Stufen von «Ba1» auf «Ba3» gesenkt. Eine weitere Herabstufung werde geprüft.
Zur Begründung hiess es, dass bei einem Austritt Griechenlands die Wahrscheinlichkeit für weitere Hilfen der zyprischen Regierung an die angeschlagenen Banken des Lande zunehmen werde, und das bei bereits angespannter Kassenlage.
Die Bonität Zyperns bleibe unter Beobachtung, da das Risiko eines Euro-Austritts Griechenlands mit seinen Auswirkungen auf die zyprischen Finanzen nach den Wahlen in Griechenland am kommenden Sonntag weiter steigen könnte, teilte Moody's weiter mit.
Parlamentsmehrheit gegen Bankia-Kommission
Die regierenden Konservativen haben in Spanien die Einsetzung einer Untersuchungskommission zur Finanzkrise und zur Krisenbank Bankia abgelehnt. Bei der Abstimmung im Parlament erhielt ein entsprechender Antrag der linken Opposition 139 Stimmen, verfehlte jedoch die nötige Mehrheit, da 175 Abgeordnete der konservativen Partido Popular (PP) dagegen votierten.
Ermittlungen zur «Betrugskrise»
Die PP-Abgeordnete María Arenales Serrano betonte dennoch, ihre Partei teile das Ziel, Transparenz zu schaffen. Der Vorsitzende der oppositionellen Izquierda Unida, Cayo Lara, dessen Partei den Antrag zur Einsetzung des Untersuchungsausschuss eingebracht hatte, betonte während der Debatte die Notwendigkeit von Ermittlungen zur «Betrugskrise», in die seiner Ansicht nach Banken und Immobilienfirmen verwickelt sind. Seiner Ansicht nach stand diese Krise am Ursprung der Immobilienblase, deren Platzen 2008 das Land in eine tiefe Wirtschaftskrise stürzte.
135'000 unterzeichnen Petition
In Spanien fordern immer mehr Menschen eine Untersuchung zu möglichen Betrugsfällen im Immobiliensektor. So unterzeichneten fast 135'000 Menschen eine Petition für die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission, die am Dienstag an Regierungschef Mariano Rajoy geschickt wurde. Die staatliche Unterstützung des angeschlagenen Bankhauses Bankia mit 23,5 Milliarden Euro zwang Madrid am Samstag, Hilfen der Eurozone zu beantragen.
(agenturen/halp/bers; kunb; gern)







