International
Deutschland: Grossrazzia und Vereinsverbot gegen Salafisten
Ermittler in sieben deutschen Bundesländern haben Wohnungen und Vereinsheime von Salafisten durchsucht. Der Salafismus breitet sich in Deutschland rasch aus. Er ruft zum Dschihad auf und will islamisches Recht verankern.
Laut Medien gab es Polizeiaktionen in den Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Sterben für die Überzeugungen
Knapp 1000 Beamte standen im Einsatz. 80 Objekte wurden durchsucht. Besonders im Fokus stünden die Salafisten-Institutionen «Dawaffm» und «Millatu Ibrahim Moschee», hiess es.
Als Kopf von Millatu Ibrahim gilt der österreichische Islamist Mohamed Mahmoud, der aus Deutschland abgeschoben wurde und nach Angaben aus Sicherheitskreisen nun von Ägypten aus via Internet salafistische Propaganda betreibt. Nach früheren Angaben des hessischen Innenministeriums rief Mahmoud zum militanten Dschihad auf und machte deutlich, auch für seine Überzeugungen sterben zu wollen.
Verfahren eingeleitet
Auch Räume des Netzwerks «Die wahre Religion» um den radikalen Prediger Ibrahim Abou Nagie sollen durchsucht worden sein. Der Kölner Salafist hatte mit kostenlosen Koran-Verteilungsaktionen in mehreren deutschen Städten für Aufsehen gesorgt. Radikale Salafisten stehen im Verdacht, mit ihrer Propaganda gewaltbereite Islamisten anzustacheln oder selbst Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen. Dabei ging es auch um Beweismaterial für mögliche Vereinsverbote.
Innenminister Hans-Peter Friedrich hat derweil ein Verbot gegen die salafistische Vereinigung «Millatu Ibrahim» erlassen. Das Vereinsvermögen wird beschlagnahmt und eingezogen. Friedrich sagte, die Organisation «Millatu Ibrahim richte sich gegen die Gedanken der verfassungsrechtlichen Ordnung und der Völkerverständigung. Zudem wurden vereinsrechtliche Ermittlungsverfahren gegen «Dawaffm» und «DWR» («Die wahre Religion») eingeleitet.
Salafismus lehnt westliche Lebensweise ab
In Deutschland gilt der Salafismus als die am schnellsten wachsende und wegen ihrer Radikalität besonders gefährliche Strömung des Islamismus. Sicherheitsbehörden schätzen die Zahl der Anhänger auf etwa 4000. Für Salafisten ist das Ideal ein Gottesstaat, in dem es keine «vom Menschen erfundenen» Gesetze gibt, sondern in dem das islamische Rechtssystem, die Scharia, gilt.
Strenge Salafisten lehnen die westliche Lebensweise ab, propagieren die schlichte Geschlechtertrennung und betrachten Homosexualität als schwere Sünde. Am vergangenen Wochenende hatten, abgeschirmt durch die Polizei, rund 300 radikalislamische Salafisten in Köln demonstriert.
(sda/dpa/kunb;hesa/fasc)







