Wirtschaft
Robustes Wachstum trotz unsicherer Wirtschaftslage
Die Schweizer Wirtschaft behauptet sich dank robuster Binnenkonjunktur und relativ starker Exportwirtschaft besser als erwartet. Die Experten des Bundes erhöhen die Wachstumsprognose für das laufende Jahr von bisher 0,8 auf neu 1,4 Prozent.
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Bisher hatte das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 0,8 Prozent gerechnet. In Übereinstimmung mit anderen Konjunkturbeobachtern, die in den letzten Tagen ihre Prognosen erhöht hatten, hat das Seco seine Prognose für 2012 deutlich nach oben angepasst.
Wachstums-Prognosen für die Schweiz
(Veränderung BIP im Vergleich zum Vorjahr)
| 2012 | 2013 | letzte Aktual. | |
| Schweiz. Nationalbank | + 1,5 | 14.06.12 | |
| Staats. f. Wirtschaft Seco | + 1,4 % | + 1,5 % | 12.06.12 |
| Credit Suisse | + 0,5 | + 1,5 | 07.06.12 |
| UBS | + 1,3 | + 1,7 | 07.06.12 |
| ZKB | + 1,0 | + 1,5 | 01.06.12 |
| KOF ETH | + 0,8 | + 1,9 | 23.03.12 |
| BAK Basel | + 1,5 | + 1,6 | 05.06.12 |
| Economiesuisse | + 0,9 | + 0,8 | 04.06.12 |
Pessimistischer sind derzeit noch die Credit Suisse (+0,5 Prozent), die Westschweizer Créa (+0,3 Prozent) sowie die KOF (+0,8 Prozent). Optimistischer als der Bund ist BAK Basel (+1,5 Prozent).
Gutes Winterhalbjahr
Die Prognose der Credit Suisse ist nur ein paar Tage alt und die Créa bestätigte auf Anfrage die Prognose vom 8. Mai. Die KOF wird eine höhere Prognose am 22. Juni veröffentlichen. Am Donnerstag wird die Schweizerische Nationalbank ihre neue Prognose publizieren (Prognose 15. März: +1,0 Prozent).
«Die Korrektur der Prognose geht vor allem auf das sehr gute letzte Halbjahr zurück. Blickt man zurück, so stellt man fest, dass sich die Schweizer Konjunktur Ende letzten Jahres und zu Beginn dieses Jahres sehr robust entwickelt hat», erklärt Eric Scheidegger, Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik beim Seco, in der «Tagesschau». In Das Bruttoinlandprodukt (BIP) wuchs im ersten Quartal um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Tiefere Prognosen deuten darauf hin, dass entweder das erste Quartal anders beurteilt wurde oder für den weiteren Jahresverlauf eine sehr tiefe Rezession erwartet wird.
Staatsschuldenkrise als Knackpunkt
Die Anpassung nach oben für das laufende Jahr dürfe nicht darüber hinweg täuschen, dass sich das europäische Wirtschaftsumfeld in jüngster Zeit weiter verschlechtert habe, stellte das Seco fest. Entscheidend für eine weiterhin positive Konjunkturentwicklung sei, dass eine Eskalation der Staatsschuldenkrise im Euroraum verhindert werden könne.
Die Expertengruppe des Bundes geht davon aus, dass eine «unkontrollierte Ausbreitung der Krise» im Euroraum vermieden werden kann. Aber auch ohne Ausbruch einer derartigen Krise blieben die europäischen Konjunkturperspektiven sehr gedämpft. Besser sind die Konjunkturperspektiven für Asien und die USA. Die Schwellenländer zeigen alles in allem ein positives Bild.
Krisenresistenz dank Konjunktur im Inland
Das schwierige aussenwirtschaftliche Umfeld gehe nicht spurlos an der Schweizer Wirtschaft vorüber, stellt das Seco fest. Viele Exportfirmen mussten im Zuge der Währungsturbulenzen seit 2010 ihre Verkaufspreise zulasten der Margen senken, um trotz Frankenstärke international konkurrenzfähig bleiben zu können.
Dennoch verzeichnete die Schweizer Wirtschaft im ersten Quartal 2012 ein deutlich positiveres Wirtschaftswachstum und kam wesentlich besser als befürchtet durch den Winter 2011/2012.
Diese bemerkenswerte Krisenresistenz sei zu einem grossen Teil der anhaltend robusten Konjunktur im Inland zu verdanken, stellen die Ökonomen des Bundes fest.
Skeptischer für 2013
Die Expertengruppe rechnet damit, dass die Konjunkturentwicklung im restlichen Verlauf dieses sowie im kommenden Jahr weiterhin durch eine grosse Heterogenität zwischen gut laufenden Binnensektoren, wie Bau, konsumnahe Bereiche, inlandorientierten Dienstleistungen auf der einen Seite, und unter erhöhtem Anpassungsdruck stehenden Exportsektoren auf der anderen Seite geprägt bleiben wird.
Für das kommende Jahr geben sich die Prognostiker des Bundes daher skeptischer, statt wie bisher mit einem BIP-Wachstum von 1,8 Prozent wird neu mit 1,5 Prozent gerechnet.
(sda/hues/muei; buev)



