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«Schreckliche Schilderungen»: Syrien missbraucht Kinder als Schutzschilde

Dienstag, 12. Juni 2012, 8:47 Uhr

Syrische Truppen sollen Kinder als menschliche Schutzschilde missbraucht haben. Das berichtete die britische BBC unter Berufung auf einen Bericht der Vereinten Nationen.

Bild Kinder an einer Demo in Syrien.
Die UNO berichtet von «schrecklichen Gräueltaten» an Kindern aus Syrien. reuters

Ihr Team sei mit «schrecklichen» Schilderungen über gefolterte und massakrierten Kinder aus Syrien zurückgekehrt, sagte die UNO-Sondergesandte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy, dem Sender BBC.

So hätten Kinder erzählt, dass sie sich auf Panzer hätten setzen müssen, damit diese nicht von Aufständischen angegriffen würden.

Sie habe es noch nie zuvor erlebt, dass Kinder nicht verschont würden, sondern in einem Konflikt sogar noch als Ziel dienten.

«Liste der Schande»

Die UNO setzte Syrien erstmals auf eine Liste mit Staaten, in denen Kinder in bewaffneten Konflikten getötet, sexuell angegriffen und rekrutiert werden. Ebenfalls neu auf der «Liste der Schande» sind Jemen und der Sudan, teilte die UNO-Sondergesandte Radhika Coomaraswamy mit.

Sowohl reguläre syrische Truppen als auch die mit ihnen verbündete Schabiha-Miliz hätten sich solche Übergriffe zuschulden kommen lassen, hiess es in dem UNO-Bericht. Selbst neunjährige Kinder seien unter den Opfern, seien getötet, verstümmelt, willkürlich verhaftet, gefoltert, sexuell misshandelt und als menschliche Schutzschilde missbraucht worden.

«In fast allen aufgezeichneten Fällen waren Kinder unter den Opfern von Militäroperationen der Regierungstruppen – einschliesslich der Streitkräfte, der Geheimdienste und der Schabiha-Miliz – im Konflikt mit der Opposition», schreiben die Autoren des UNO-Berichts.

«Wir haben Kinder gesehen, die gefoltert wurden und die noch die Spuren der Folter tragen», sagte Coomaraswamy. «Wir sind wirklich geschockt(...) Diese Folterungen von Kindern in Gefangenschaft, Kinder von gerade einmal zehn Jahren, das ist sehr aussergewöhnlich, das haben wir woanders wirklich noch nicht gesehen.»

Missbrauch als Hilfsarbeiter an der Front

Viele ehemalige Soldaten hätten von Schüssen auf Wohngebiete berichtet. Sie hätten Kinder und Kleinkinder gesehen, die getötet und verstümmelt worden sein.

Zugleich erhob sie Vorwürfe gegen die oppositionelle Freie Syrische Armee, die ebenfalls Kinder in Gefahr bringe. «Zum ersten Mal hörten wir auch, dass Kinder von der Freien Syrischen Armee rekrutiert werden, vor allem für medizinische Tätigkeiten und Hilfsarbeiten, aber immer noch an der Front», sagte Coomaraswamy.

(sda/dpa/horm; bers)