Wirtschaft
Spanien-Hilfe entfacht nur Börsen-Strohfeuer
Die Erleichterung über den Hilferuf Spaniens hat die Finanzmärkte nur kurzzeitig beflügelt. Zahlreiche Anleger blieben skeptisch. Sie waren nicht vollständig davon überzeugt, dass die versprochenen EU-Finanzhilfen für die spanischen Banken ausreichend sind.
Die Kurse der zehnjährigen Staatsanleihen Spaniens und auch Italiens rutschten nach einem kurzen Erholungsmoment wieder ab, im Gegenzug stiegen die Renditen. Der Euro notierte am Nachmittag nur noch bei 1,2545 Dollar.
Im Handelsverlauf war der Euro zeitweise bis auf 1,2668 Dollar gestiegen. Der Dax notierte 0,8 Prozent im Plus bei 6178 Punkten, nachdem er zeitweise auf bis zu 6287 Zähler gestiegen war. Die US-Börsen verzeichneten zum Handelsstart nur leichte Gewinne.
Abschreibungen auf faule Kredite
Mit der Rettung der spanischen Banken sei zwar ein wesentlicher Schritt zur Krisenbewältigung getan, es seien aber noch längst nicht alle Probleme gelöst, sagte Deka-Chefökonom Ulrich Kater.
«Die Aufräumarbeiten bei den Banken beginnen jetzt erst – sie müssen konsequent Abschreibungen auf faule Kredite vornehmen und sich einer stärkeren Aufsicht unterstellen. Das darf man nicht schleifen lassen, sonst versickert das Geld. Vor allem aber geht es darum, jetzt auch die realwirtschaftliche Entwicklung in Spanien voranzubringen», so Kater weiter.
Allianz-Chefökonom Michael Heise wies auf die unverändert hohe Arbeitslosigkeit in Spanien als ein ungelöstes Problem hin. «Hier muss mit den Reformen weitergemacht werden.» Die Banken-Problematik dürfte mit den neuen Massnahmen aber eigentlich gelöst sein, sagte Heise.
Spaniens Leitindex nur knapp im Plus
Spanien soll zur Stützung seiner Banken, die unter faulen Immobilienkrediten leiden, aus den Euro-Rettungsfonds bis zu 100 Milliarden Euro erhalten. Die genaue Summe und die Modalitäten der Zahlung sind aber noch unklar.
Der EuroStoxx50 gewann 0,5 Prozent auf 2155 Zähler und notierte wie der Dax deutlich unter seinem Tageshoch. Auch der spanische Leitindex Ibex reduzierte seine Gewinne und wies noch ein Plus von 0,5 Prozent auf.
«Im Endeffekt war jedem klar, dass wir die hohen Anfangsgewinne nicht lange halten können», sagte ein Händler. «Jetzt machen viele Investoren lieber das, was sie in letzter Zeit immer häufiger getan haben: Gar nichts.» Die Preise für Rohöl zogen um ein Prozent an. Industriemetalle wie Kupfer stiegen um 1,9 Prozent.
Der SMI vermochte die deutlichen Avancen vom Vormittag nicht zu halten und beendete den Handelstag fast unverändert und damit deutlich entfernt vom Tageshöchst bei 5956 Zählern.
Der deutsche Leitindex Dax legte zum Start in die neue Handelswoche zwischenzeitlich bis zu zweieinhalb Prozent zu. Allerdings gab er bis zum Abend die Gewinne fast vollständig wieder ab. Er schloss mit einem Plus von 0,17 Prozent bei 6141,05 Punkten.
Bankenwerte profitieren
Viele Börsianer stellten sich die Frage, ob Italien nun verstärkt ins Visier der Märkte gerät. Für Nervosität sorgten die Aussagen des italienischen Industrieministers.
Sein Land habe bereits alles Notwendige getan, um sich aus eigener Kraft aus der Euro-Krise zu retten, sagte Corrado Passera. Er sieht Italien daher nicht als den nächsten Kandidaten für den Euro-Rettungsschirm.
«Das haben Vertreter von Irland, Portugal und Spanien auch schon gesagt – und sie waren es dann doch. Daher fürchtet der Markt, dass bei Italien jetzt auch noch was im Busch ist», sagte ein Händler.
Die Hilfen für den spanischen Finanzsektor gaben den Banken insgesamt Auftrieb. Der europäische Branchenindex stieg um 1,9 Prozent und sein spanisches Pendant sogar zeitweise um knapp zehn Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 833,02 Punkten.
Die Deutsche Bank und die Commerzbank gehörten mit einem Plus von 2,4 und zwei Prozent zu den Favoriten im Dax. Im EuroStoxx50 zählten die Titel der spanischen Geldhäuser Santander und BBVA mit Kursgewinnen von über drei Prozent zu den grössten Gewinnern.
(reuters/bers/muei; zinv)






