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Iran auf geheimer Mission an Assads Seite
Der Konflikt in Syrien ist zu einem Bürgerkrieg ausgeartet, der gemäss Präsident Assad «von aussen» geführt wird. Er prangert den Westen und die Golfstaaten an, die Aufständischen zu unterstützen. Aber auch Assad ist nicht allein: Eine Eliteeinheit Irans hat sehr wahrscheinlich die Hände im Spiel.
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Gerüchte kursieren schon länger, dass Iran als Assads Verbündeter Syrien unterstütze. Vor einer Woche sickerten erstmals von hoher Stelle Informationen darüber hindurch. «Wenn der Iran in Syrien nicht präsent wäre, hätte das Töten andere Ausmasse angenommen», zitierte die iranische Agentur ISNA auf ihrer Webseite den stellvertretenden Kommandanten der Eliteeinheit Quds Force, Esmail Qaani.
«Als wir noch nicht in Syrien waren, tötete die Opposition viele Syrer. Aber seit der Präsenz der Islamischen Republik Iran wurde dem Schlachten Einhalt geboten.» Qaanis Äusserungen verschwanden nur wenige Stunden später wieder von der Internetseite.
Allianzpartner Syrien
Israelische und US-Medien deuteten seine Worte als Bestätigung für Irans Intervention in Syrien – auch wenn zwei Tage später Irans Kommandant der iranischen Streitkräfte sagte, Iran unterstütze Syrien, mische sich aber nicht in Damaskus‘ interne Angelegenheiten ein.
Für Nahostexperten ist die Rolle Irans nicht transparent. Aber da Irans traditionelle Allianz mit Syrien bekannt sei, werfe es automatisch Fragen auf, inwiefern sich Iran einmische, bemerkt Mohammad-Mahmoud Ould Mohamedou zu «SF Online». Er ist Leiter des Nahost-Programms des Genfer Zentrums für Sicherheitspolitik.
«Es gibt noch keine Gewissheit über eine direkte Einmischung Irans. Aber Untätigkeit ist kaum anzunehmen. Der Sturz des Assad Regimes wäre sehr schlecht für Teheran», denkt Mohamedou, der auch Gastprofessor am Departement für internationale Geschichte des Instituts für internationale Studien und Entwicklung der Universität Genf ist.
Hilfe bei der Aufstandsbekämpfung
Auszuschliessen ist, dass Iran eigene Truppen nach Syrien schickt, um direkt gegen Aufständischen zu kämpfen. Die islamische Republik fährt eine subtilere Strategie. So dürfte die Quds Force (QF), eine geheime iranische Eliteeinheit, dem syrischen Militär beratend zur Seite stehen.
«Die QF unterstützt die Streitkräfte offenbar durch direkte Ausbildungshilfe, gerade was Aufstandsbekämpfung angeht», vermutet Roland Popp, Nahostexperte am Center for Security Studies der ETH Zürich, und bezieht sich dabei auf verschiedene Berichte.
Aus diesen gehe auch hervor, dass es direkte Unterstützung bezüglich Aufklärungstechnologie gebe – so sei mitunter vom Einsatz iranisch gefertigter Drohnen die Rede.
Ausbildung von Milizen
Die Iraner sind Pioniere im Einsatz von Drohnen. Sie hatten erstmals bewaffnete Drohnen im Iran-Irakkrieg (1980 – 1988) eingesetzt. In Syrien wird es sich eher um mit Kameras bestückte Aufklärungsdrohnen handeln, heisst es in Berichten. So würden möglicherweise Fotos gemacht an Demonstrationen, Verstecke von Oppositionellen geortet oder Waffenlager.
Solche Aktionen werden geführt von der geheimen Organisation Quds Force, welche nach Angaben aus Israel oder den USA zudem kleine Gruppierungen ausbildet zur asymmetrischen Kriegsführung – Widerstandskämpfer oder Milizen kämpfen dabei gegen grössere, überlegenere Armeen.
Ob auch die Shabiha-Miliz, die mit grosser Brutalität gegen Oppositionelle in Syrien vorgeht, von den QF unterstütz wird, bezweifelt Roland Popp. «Die Shabiha sind seit langem existierende Gruppen von kriminellen Banden, die man auch 'mieten' kann. Iranische Militärberater werden sich hier kaum engagieren, da gibt es nicht viel zu vermitteln.»
Quds Force – «Iran‘s finest»
Über die geheime Organisation Quds Force ist wenig bekannt. Iran bemüht sich, Struktur und Aufgabenbereich zu verschleiern. Angenommen wird, dass der Kommandant direkt dem Revolutionsführer Ali Chamenei rapportiert – also direkt der obersten Führung untersteht. Ihr Kommandant ist Ghassem Suleimani, ein charismatischer Generalmajor, der gerüchteweise 2013 für die Präsidentschaftswahl kandidiert. Sein Stellvertreter Esmail Qaani könnte nachrücken. Dessen veröffentlichte Worte haben aufgrund seiner Stellung Gewicht.

Entstehung der Quds Force
Kurz nach der Iranischen Revolution 1979 entsteht die Islamische Revolutionsgarde auf Geheiss des damaligen Revolutionsführers Ayatollah Chomeini – eine Art paramilitärische Organisation zum Schutz des Regimes. Sie erlangt bald auch Einfluss im Irak und in Libanon. 1990 übernimmt die Quds Force als neuer Ableger die exterritorialen Aufgaben der Revolutionsgarde. Sie unterstützt Gruppierungen, die sich für die Palästinenser einsetzen, weiten sich aber auch aus in Ländern der früheren Sowjetunion und auf dem Balkan.
*Quelle: Combating Terrorism Center at West Point, USA
Die QF operiert laut der Studie des Combating Terrorism Center auf der ganzen Welt – auch in Zentralasien, Europa oder Amerika. Aber der Fokus ihrer Einflussnahme liegt in den Nachbarländern.
Stellvertreterkrieg der Iraner
Der Einsatz der QF in den einzelnen Ländern läuft offenbar nach einem Muster: den eigenen Feind schwächen und Irans Stellung in der Region festigen. Irans Erzfeinde sind Israel und die USA. So führt Iran in den verschiedenen Ländern eine Art Stellvertreterkrieg.
Gegen die USA unterstützte die QF in Afghanistan nach Geheimdienst-Berichten gewisse Elemente der Taliban. Detailliert zeigt die Studie des Combating Terrorism Center die Situation nach dem Irakkrieg 2003 zur Zeit der Besatzung durch US-Truppen: Unterstützung verschiedener militanter Gruppen (darunter schiitische) in Form von paramilitärischem Training, Versorgung mit Waffen und Ausrüstung.
Die QF figuriert nur als ein Mittel in Irans aussenpolitischer Strategie. So leistet sie etwa finanzielle Unterstützung für Parteien. Das Land hat in der Region seinen Einfluss auch wirtschaftlich gestärkt. So im Irak mit Produkten des täglichen Gebrauchs oder in Afghanistan mit Elektrizitätswerken.
Dies entspricht auch der Taktik in Israels Nachbarland Libanon, wo der Iran die Hisbollah unterstützt. In den Palästinensergebieten in Israel stützt die QF die islamische Widerstandsbewegung Hamas.
Waffenkorridor über Syrien
Militärisch gesehen ist Teheran wichtig, seinen grössten Feind Israel in Schach zu halten. Mit Syrien als Verbündeten kann es den Waffentransport über den Länderkorridor unmittelbar an Israels Grenze gewährleisten.
Die Aufrechterhaltung des Assad Regimes ist es Teheran deshalb wichtig: «Ein geopolitischer Wandel in der Region würde unausweichlich die Stellung und den Einfluss auf Damaskus schwächen», sagt Mohamedou.
Doch danach sehe es derzeit nicht aus. «Fakt ist, dass das syrische Regime weit davon entfernt ist, regional und international isoliert dazustehen», denkt Professor Mohamedou. Im Gegenteil: «Der Konflikt könnte Assads Beziehungen zu den existierenden Allianzen (Iran, Russland, China) weiter stärken und so die Überlebenschancen des Regimes maximieren.»



