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Wirtschaft

Nationalbank fährt Liquidität weiter hoch

Montag, 4. Juni 2012, 14:59 Uhr

Parallel zu den Diskussionen über einen Austritts Griechenlands aus der Eurozone hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Liquidität im Schweizer Bankensystem erhöht. Unterdessen wird Kritik an der Mindestkurs-Politik laut.

Bild Gebündelte 20-Franken-Banknoten: Die Schweizerische Nationalbank hat die Geldmarkt-Liquidität weiter hochgefahren. (keystone)
Mehr Geld: Damit will die SNB den Schweizer Franken entlasten. keystone

Die Giroguthaben der inländischen Banken bei der SNB stiegen in der Woche zum 1. Juni nach SNB-Angaben vom Montag um rund 15 Milliarden auf 185,4 Milliarden Franken. Das war der höchste Stand in diesem Jahr. Im September 2011 als der Euro zum Franken fast auf Parität gesunken war, erreichten die Girokonten der Banken mehr als 200 Milliarden Franken. Solche Giroguthaben bilden einen wesentlichen Teil der Liquidität im Bankensystem und werden am Geldmarkt gehandelt.

Die SNB ist bestrebt, dem Aufwertungsdruck auf den Franken durch eine ausserordentlich hohe Liquidität am Geldmarkt entgegenzuwirken. Sie kann zu diesem Zweck, und um den seit September geltenden Mindestkurs für den Euro von 1,20 Franken zu verteidigen, Devisen auf Dauer oder als Devisenswaps für begrenzte Zeit kaufen.

Mindestkurs-Politik hinterfragt

Nach Ansicht des ehemaligen UBS-Chefs Oswald Grübel muss die SNB die Mindestkurspolitik zum Euro eines Tages aufgeben. Mit der Festsetzung des Wechselkurses bei 1,20 Fr. pro Euro lade die SNB der Schweizer Wirtschaft grosse Risiken auf.

Mit Koppelung habe die SNB ihre Unabhängigkeit eingebüsst. Sie müsse jetzt alle Entscheidungen auf den Mindestkurs ausrichten, so Grübel.

Er bezeichnet den Euro als «künstliche Transferwährung». Mit der Koppelung des Frankens an den Euro übernehme die Schweiz auch die Risiken der Eurozone, die sich aus der hohen Verschuldung einer Reihe von Ländern ergeben.

Die genauen Ursachen der Veränderungen bei den Giroguthaben erläutert die SNB üblicherweise nicht. Marktbeobachtern zufolge dürfte der Aufwertungsdruck auf den Franken zuletzt gestiegen sein, da von der Eurokrise verunsicherte Anleger verstärkt Schutz im Franken suchen. Das könnte dazu geführt haben, dass die SNB vermehrt Devisenswaps und andere Instrumente einsetzen musste, um ein Abrutschen des Euro unter 1,20 Franken zu verhindern. 

(reuters/mery; fref)