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Vermischtes

Weggeworfene Aludosen – Todesurteil für Kühe

Sascha Buchbinder, Inlandredaktor DRS
Montag, 4. Juni 2012, 9:15 Uhr

Die Schweiz ist Weltmeister im Sammeln und Trennen von Kehricht. Und doch landet immer wieder Dreck in Wiesen und wird dort für die Bauern zum Problem: Die Kühe fressen zum Beispiel messerscharfe Alu-Splitter und können daran sterben.

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Inzwischen ist die Angst sein fester Begleiter. Jeden Abend, wenn Ernst Schnyder auf seinem Hof in Grenchen noch einmal nach den Kühen schaut, hofft er, dass es nicht schon wieder soweit ist und eine Kuh gegen den Tod kämpft. «Es ist sehr belastend, denn man kann den Kühen dann nicht mehr helfen.» Er könne dann nur noch die nötigen Massnahmen ergreifen.

Sechs Kühe – fünf davon trächtig – hat Bauer Schnyder in den letzten Monaten verloren. Nach dem letzten Todesfall wurde die Kuh untersucht und die Todesursache herausgefunden: Kleine, messerscharfe Alustücke im Futter, die das Tier innerlich verletzten. Ins Futter gelangen die Alustücke durch achtlose Städter, die ihren Energydrink, ihr Bier geniessen und dann die Büchse einfach in die Wiese werfen.

Tödlicher Mix

Schnyders Mitarbeiter sammeln den Müll zwar wöchentlich ein. Aber im hohen Gras finden sie nicht alles. Was liegen bleibt, erwischt die Mähmaschine. Deren Messer rotieren mit zweieinhalbtausend Umdrehungen die Minute. Gras und Dosen, alles wird kleingeschnitten. Es entsteht ein tödlicher Mix.

Die Kühe fressen mit gutem Appetit, schlingen Gras und Alu runter und verenden irgendwann an den Verletzungen.

Drei Viertel der Tiere im Stall von Bauer Schnyder leidet an Infekten als Folge innerer Verletzungen. Und der Grenchner Hof ist kein Einzelfall. Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Bauernverbandes, sorgt sich: «Wir haben immer wieder Klagen, weil solche Probleme zunehmen.»

Achtlosigkeit der Gesellschaft

Auch Markus Zemp, Präsident des Braunviehzuchtverbands stellt fest, dass die Gesellschaft heute Normen überschreitet und denkt, man könne alles wegwerfen und das werde dann schon irgendwie entsorgt.

Ganz viel Ahnungslosigkeit beobachtet Bauer Schnyder: «Die letzten zwei Generationen sehen nicht mehr, dass man Nutztieren auch Sorge tragen muss.» Viele sähen die Kuh als Maschine.

Aber das sei falsch. «Ich arbeite mit Tieren, wie andere Leute mit ihrem Lieblingshund.» Er rede mit seinen Kühen. Von jedem Tier wisse er den Namen, kenne ihren Stammbaum, ihre Eigenarten. Wenn ihm die Kühe so wegsterben wie in den letzten Monaten, dann verliere er die Freude an der Arbeit.