Schweiz
Zuwanderung: In Zürich Angst, in New York Normalität
Mit 58 Nationen auf 1,5 Kilometern ist die Zürcher Josefstrasse der Schmelztiegel der Deutschschweiz. Viele ältere Bewohner befürchten, von Ausländern verdrängt zu werden, wie die Sendung «Reporter» zeigt. In der Lower East Side in New York dagegen gilt es als normal, dass alle 50 Jahre eine neue Volksgruppe dominiert. Die Regulierung der ausländischen Arbeitskräfte ist aber auch in den USA ein Problem.
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Die Lower East Side im Süden von New York war einst das Einfallstor für Migranten in die USA. Seit Ende des 19. Jahrhunderts lebten hier vor allem Juden. Aus dem ganzen Land strömten Amerikaner in die Lower East Side, um in jüdischen Geschäften günstige Kleider und Unterwäsche zu kaufen.
In den letzten zehn Jahren aber haben Chinesen die meisten Läden aufgekauft. Die Synagoge an der Eldridge Street steht jetzt inmitten von Dim-Sum-Restaurants und chinesischen Gemüseständen. Der 66jährige Jude Howard Winterfeld, der in einem der letzten jüdischen Geschäfte arbeitet, findet das nicht erwähnenswert: «Es ist einfach eine neue Bevölkerungsgruppe, die in den Schmelztiegel New York kommt», sagt er zu «Reporter». Das einzig Konstante in der Metropole sei der Wandel.
Zürcher Anwohner: «Die Schweizer sterben aus»
Auch die Josefstrasse in Zürich verändert ihr Gesicht. Fast jeder zweite Einwohner ist unterdessen Ausländer. Vor dreissig Jahren prägten Italiener, die Südfrüchte verkauften, das Strassenbild. Heute sind es türkische Kebab-Shops und tamilische Kleider- und Schmuckläden.
Als der 57jährige Markus Koller beschloss, seinen schlecht rentierenden Milchladen aufzugeben, lehnte er Anfragen von ausländischen Lebensmittelhändlern ab. «Wir leben hier mittlerweile in einem Reservat», sagt er gegenüber «Reporter», «die Schweizer sterben aus.» Koller fühlt sich fremd in der Heimat. Betrete er eine Beiz im Quartier, kenne er niemanden mehr, darum gehe er nicht mehr aus.
12 Millionen illegale Arbeitskräfte in den USA
Die Personenfreizügigkeit in der Schweiz ist heftig umstritten, mit Ventilklausel und verschärften flankierenden Massnahmen versuchen Regierung und Parlament, die Einwanderung besser zu steuern. Die SVP will mit ihrer Initiative Kontingente für hochqualifizierte Arbeitskräfte einführen nach dem Vorbild der USA.
Letztes Jahr sind netto 78'500 Menschen aus der EU in die Schweiz eingewandert. Die USA, deren Erwerbsbevölkerung rund 30 mal grösser ist, vergeben vergleichsweise viel weniger Arbeitervisa, nämlich rund 200'000 jährlich. Diese strengen Bestimmungen führen dazu, dass viele illegal einreisen: Die USA zählen schätzungsweise 12 Millionen Arbeitskräfte ohne Papiere. Das sind rund 100 Mal mehr als die geschätzte Zahl der Illegalen in der Schweiz.
Trick: Chinesen lassen sich taufen
In New York geht man davon aus, dass jeder zehnte Arbeiter illegal ist. Bei den Behörden gibt man zu, in einem Dilemma zu sein, weil die Arbeitskräfte gebraucht werden. Bürgermeister Michael Bloomberg sagt: «Die Wirtschaft würde zusammen brechen, wenn diese Menschen das Land verlassen müssten». Die meisten von ihnen arbeiten in Restaurants, jeder vierte stammt aus China.
«Reporter» zeigt den Trick, den junge Chinesen anwenden, um zu einer Aufenthaltsbewilligung zu kommen: Sie lassen sich in evangelikalen Kirchen in New York taufen und machen bei den Behörden geltend, dass sie als praktizierende Christen in ihrer Heimat verfolgt würden.
Amnestie für Illegale in New York
Die Debatte, die die Schweiz über die Personenfreizügigkeit führt, gilt in den USA dem Umgang mit den Illegalen: Viele sind nur pro forma illegal, sie sind den Behörden bekannt und kommen ihren Pflichten wie US-Bürger nach, in dem sie Steuern bezahlen. Rechte wie Sozialleistungen aber können sie nicht beanspruchen.
Die Stadt New York hat in den 1980er-Jahren eine Amnestie für Illegale erlassen. Auf nationaler Ebene aber ist das Problem der wirtschaftlich notwendigen Sans Papiers ungelöst.







