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International

Lebenslange Haft für Hosni Mubarak

Samstag, 2. Juni 2012, 9:37 Uhr, Aktualisiert 20:37 Uhr

Der frühere ägyptische Machthaber Hosni Mubarak ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Kairoer Gericht verkündete das Strafmass gegen den 84jährigen. Der Anwalt Mubaraks hat bereits Berufung gegen das Urteil angekündigt.

Bild Mubarak hinter Gittern.
Laut Gericht trägt Mubarak die politische Verantwortung für die tödlichen Schüsse auf Demonstranten Anfang 2011. keystone

«Wir werden in Berufung gehen. Das Urteil basiert auf juristischen Fehlern», erklärte Yasser Bahr, der Verteidiger des ehemaligen Staatschefs. Mubarak selbst wurde nach der Urteilsverkündung in das Tora-Gefängnis am Rande Kairos gebracht. Dort hatten einst viele politische Widersacher Mubaraks eingesessen.

Bei der Ankunft soll sich Mubaraks Gesundheitszustand verschlechtert haben. Dem staatlichen Internet-Fernsehsender Nile News zufolge hatte Mubarak einen Herzinfarkt. Das konnte jedoch zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Zuvor hiess es aus Sicherheitskreisen, Mubarak habe sich unter Tränen gegen seine Einweisung ins Gefängnis gewehrt. Er habe die Beamten angefleht, ihn zurück in das Militärspital zu bringen. Seine Eskorte habe 30 Minuten gebraucht, um Mubarak schliesslich doch dazu zu bewegen, den Helikopter mit dem er zum Gefängnis gebracht worden sei, zu verlassen.

«Urteil mit Sprengkraft»

Während der Richter das Urteil verkündete, flogen draussen die ersten Steine. Das Urteil im Prozess gegen Ägyptens Ex-Präsident Mubarak und frühere Spitzen des Sicherheitsapparats ist für viele Menschen mehr als unbefriedigend.

Die Demonstranten kritisierten, dass Mubarak nicht zum Tode verurteilt wurde und dass mehrere Funktionäre des Sicherheitsapparates freigesprochen wurden. Lesen Sie hier mehr dazu.

Tumulte bei Urteilsverkündung

Der Schlusspunkt des Prozesses wurde live im ägyptischen Fernsehen übertragen. Vor dem Gerichtsgebäude kam es anschliessend zu Jubelausbrüchen mit «Allahu Akbar»-Gesängen (Gott ist gross), Feuerwerk wurde gezündet. Einige Anhänger und Gegner Mubaraks bewarfen sich gegenseitig mit Steinen, grössere Ausschreitungen blieben aus.

Mubarak, der auf einem Krankenbett in den Gerichtssaal gebracht worden war, blieb nach der Urteilsverkündung ruhig. Im Sitzungssaal kam es nach dem Urteil aber zu Tumulten und Prügelszenen.

Hosni Mubarak muss die Verantwortung für den Tod von über 800 Demonstranten übernehmen. (Tagesschau, 02.06.12, 19:30 Uhr)

Der Richter Ahmed Refaat verurteilte Mubarak wegen seiner Verantwortung für die tödlichen Schüsse auf Demonstranten im vergangenen Jahr. Die Staatsanwaltschaft hatte für den früheren Staatschef die Todesstrafe gefordert. Bei der Niederschlagung der Proteste im Zuge des arabischen Frühlings kamen rund 850 Menschen ums Leben. Vom Vorwurf der Korruption wurde Mubarak freigesprochen.

Auch gegen Mubaraks früheren Innenminister Habib al-Adli verhängte das Gericht eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Zwei Söhne Mubaraks wurden in dem Prozess wegen Bestechlichkeit verurteilt, von den anderen Anklagen jedoch freigesprochen. Ihre Haftstrafe haben sie dem Urteil zufolge aber bereits mit ihrem bisherigen Gefängnisaufenthalt abgegolten. Sechs weitere frühere Vertraute Mubaraks sprach das Gericht zudem frei.

(agenturen/hesa/hues; frua)