International
UNO nach Massaker in Syrien weiter blockiert
Der UNO-Sicherheitsrat hat sich trotz des Massakers in Hula nicht auf eine gemeinsame Haltung in der Syrien-Krise festlegen können. Die USA denken inzwischen laut darüber nach, das höchste UNO-Gremium zu umgehen.
Alle Seiten zeigten sich zwar entsetzt, dass unter den mehr als 100 Opfern allein 49 Kinder seien. Das Regime in Damaskus wird aber weiter von Russland in Schutz genommen. Dessen UNO-Botschafter Vitali Tschurkin warf einigen Ländern kaum verblümt vor, einen Krieg zu riskieren. Tschurkin bezog sich auf die Ausweisung der syrischen Botschafter aus mehreren, vor allem westlichen Staaten nach dem Massaker vom Freitag.
«Das könnte ein Signal sein und von denen missverstanden werden, die weitere Kämpfe in Syrien wollen. Denn so etwas macht man in der diplomatischen Tradition, in der Geschichte immer dann, wenn man das Schlimmste vorbereitet.» Der Rauswurf sei eine Provokation. «Wenn man so etwas macht, sollte man einkalkulieren, dass manche Leute das missverstehen.»
USA wollen Sicherheitsrat notfalls umgehen
Seine US-Amtskollegin Susan Rice zeigte sich nach der vertraulichen Unterredung des Rates mit Jean-Marie Guéhenno, dem Stellvertreter von Syrien-Sondervermittler Kofi Annan, pessimistisch. Sie sagte, es seien drei Lösungen der Krise denkbar.
Erstens könnte Syriens Präsident Baschar al-Assad einlenken und den internationalen Friedensplan annehmen. Zweitens könnte der Sicherheitsrat eingreifen, um eine Annahme zu erzwingen. Im dritten, schlimmsten Fall könnte die Gewalt eskalieren und auf andere Staaten übergreifen, sagte Rice.
Dann müssten sich die Staaten fragen, ob sie bereit seien, «ausserhalb der Autorität dieses Rates tätig zu werden».
Einzelheiten nannte sie nicht.
Für grundsätzliche Diskussion
Die UNO-Botschafter Grossbritanniens und Deutschlands, Mark Lyall und Peter Wittig, forderten eine grundsätzliche Diskussion des Rates zu Syrien. Ziel müsse eine politischen Lösung sein.
Der UNO-Sicherheitsrat in New York diskutierte am Abend über eine Aufstockung der bislang rund 300 unbewaffneten UNO-Beobachter in Syrien. Auch die Einsetzung einer Untersuchungskommission, um Verbrechen gegen Zivilisten aufzuklären, war ein Thema der geschlossenen Sitzung.
Aus Protest zurückgetreten
Unterdessen kehrte ein syrischer Spitzendiplomat der Regierung in Damaskus den Rücken. Der Honorarkonsul im US-Bundesstaat Kalifornien, Hasem Chehabi, trat am Mittwoch zurück und erklärte, nach den Tötungen in Hula sei ein Schweigen nicht mehr zu rechtfertigen.
«Man gerät an den Punkt, wo ein Schweigen oder ausbleibendes Handeln ethisch und moralisch inakzeptabel ist», sagte Chehabi dem National Public Radio laut Manuskript.
Rebellen drohen mit militärischer Gewalt
Hochrangige UNO-Vertreter sind sich inzwischen nahezu sicher, dass das Massaker von der Armee und den gefürchteten regimetreuen Schabbiha-Milizen verübt wurde.
In dem Land droht unterdessen eine weitere Eskalation des Machtkampfes. Die Rebellen setzten Staatschef Baschar al-Assad ein Ultimatum, innert 48 Stunden den Friedensplan von Kofi Annan umzusetzen. Ansonsten wollen sich die Regierungsgegner an keine Zusagen mehr gebunden fühlen.
(sda/buet)







